Allgemeiner Kommentar zu Infos über Fassadenbegrünung
Thorwald Brandwein, verantwortlich für "biotekt.de".
Fast jede Umweltinitiative, große und kleine Kommunen und viele
andere reden und schreiben über Fassadenbegrünung. Man preist
die ökologischen Vorteile und erzählt jedem, wie einfach sie
ist und daß man mit minimalstem Aufwand ganz tolle Ergebnisse erzielt...!
Irgendwie erinnern die meisten solcher Veröffentlichungen an
Werbung, bieten stark vereinfachte "positive" Darstellung statt
Information. Hier soll "Lust auf Begrünung" geweckt werden ...
Viele begleitende Anleitungen zum Bau von Kletterhilfen widersprechen
dem aktuellem Kenntnisstand, wie er z.B. in der "Richtlinie zur Planung,
Ausführung und Pflege von Fassadenbegrünungen mit Kletterpflanzen"
(FLL, 1995) niedergelegt ist.
Gegenüber den "Werbeschriften" erscheinen gründlicher
recherchierte und kompetentere Beiträge in minimalster Auflage. Die Gesamtauflage
zweier Fachbücher, einiger Forschungsberichte und der o.a. Richtlinie, die in den
letzten 10 Jahren erschienen sind, erreicht noch nicht einmal 10.000 gedruckte Exemplare!
Wie wenige davon gelesen worden sind, kann nur spekuliert werden.
Auch in Fachveröffentlichungen sind manchmal Argumente im Umlauf, die irgendwann irgendwo aufgetaucht sind und immer wieder übernommen werden. Ein
Ökologe ist eben nicht unbedingt ein Techniker; ein Gärtner qualifiziert
sich eigentlich nicht durch Kenntniss spezieller Fassadenkonstruktionen.
Zwei Beispiele:
1) Die vielfach gepriesene Sauerstoffproduktion von Begrünungen halte
ich in der Jahres- und der Gesamtbilanz für überbewertet. Gegenüber
Wäldern ist die (temporäre) Bindung von Kohlenstoff (Holz) minimal.
Lufthygienische Aspekte sowie psychologische, d.h. auch soziale Wirkungen
von Begrünung - vor allem an Fassaden - werden dagegen noch
zurückhaltend betrachtet. Keine andere Begrünungsform kann jedoch bei vergleichbarem
Platzbedarf derartig "augenscheinlich" belebend wirken.
2) Insider merken schnell, wer auf wessen Arbeiten aufbaut, so viele gibt
es schließlich nicht. In einer Veröffentlichung wird Kunststoff
als generell ungeeigneter Werkstoff für Kletterhilfen dargestellt.
Gut - nicht jeder Autor ist ein Kunststoffexperte, aber wer über unbekanntes
schreibt, sollte wenigstens an richtiger Stelle nachlesen!
Speziell Fassadenbegrünung ist eine interdisziplinäre Tätigkeit,
die Werkstoffkenntnisse, Wissen über Kletterpflanzen, sowie ein gewisses
technisches Verständnis erfordert. Ein bißchen Praxis schadet auch nicht.
In der gesamten Literatur zur Fassadenbegrünung spiegelt sich
immer sehr deutlich die Person, bzw. die berufliche Tätigkeit des
Autors/der Autorin wieder.
Die gängigsten Betrachtungsweisen der Fassadenbegrünung sind:
- der biologisch-ökologische Ansatz,
- die pflanzenbetonten oder die architekturbetonten Gestaltungvarianten
- die Betrachtungen unter bauphysikalischen Aspekten.
Mit diesen Herangehensweisen ist die Frage, was Fassadenbegrünung potentiell leisten kann, recht umfassend beantwortet worden.
Ergänzend wäre m.E. mehr Beachtung der technischen und statischen
Voraussetzungen, bzw. Möglichkeiten, wünschenswert. Sie beeinflussen
sehr wesentlich das erzielbare Ergebnis denn sie entscheiden maßgeblich
wie eine Pflanze die Fassade bewächst und wie dauerhaft schadensfrei eine
Begrünung bleibt.
Bei mir häufen sich inzwischen ernst zu nehmende Hinweise (von qulifizierten
Fachleuten), daß auch hochwertige Systeme zur Fassadenbegrünung in unzulässiger
Weise befestigt werden. Es gibt eben Anbieter, die dem aktuellen Kostendruck zu
weit nachgeben. Das geht scheinbar primär zu Lasten der Befestigungstechnik.
Billige Begrünungen mögen "in" sein, sie sind jedoch ebenso
sinnlos und unökologisch wie aufwendige (sogenannte) Verwertung leicht vermeidbarer Abfälle.
Speziell Fassadenbegrünung ist auch etwas für's Auge. Das rechtfertigt aber nicht,
daß man sie zur Augenwischerei verkommen läßt, indem man auf angemessene Qualitäten verzichtet!
Glücklicherweise engagieren sich zunehmend Fachleute aus ganz unterschiedlichen Richtungen
auch für Fassadenbegrünung. Das spricht einerseits für die Sache selbst,
andererseits für wachsendes Problembewußtsein.
Unabhängig von ihrer Orientierung und Auffassung, wollen
sie gemeinsam erreichen, daß wir:
"Fassaden erfolgreich begrünen"!
Mit "Biotekt" unterstütze ich auch dieses Anliegen.
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