Wisteria sinensis, (Blauregen)
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Die in Mitteleuropa marktgängigen Wisterien (Blauregen-Arten, Glyzinien - auch Glycinen) sind extrem starkwüchsige und sehr dekorative Schlingpflanzen. Sie
zeichnen sich darüber hinaus durch Robustheit und Größe aus. Insbesondere Wisteria
sinensis erreicht Dimensionen, die leider häufiger zu erheblichem Pflegeaufwand von damit realisierten Fassadenbegrünungen führen.
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Dieser Blauregen wurde 2001 gepflanzt und hatte bereits 2006 das Dach des dreistöckigen Hauses erobert. Während dieser Höhenwuchs nicht ungewöhnlich ist, überrascht sein ungewöhnlich ausgeprägter Dickenwuchs. Hier beträgt der Durchmesser des Stammes (Haupttriebes) am Wurzelhals ca. 38 cm und in etwa 4 m Höhe ca. 10 cm. |
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Dabei ist dieser Blauregen (evtl. ein Sämling) noch so jung, dass er bisher noch nie geblüht hat.
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Allgemein gelten die Wisteria-floribunda-Sorten bereits als großblumiger als Wisteria-sinensis-Sorten, aber die Sorte 'Macrobotrys' zeichnet sich durch besonders große Blütentrauben - Längen um 80 cm (bis 1 m ) - aus. |
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Die in Deutschland leider seltener angebotene Wisteria frutescens verdient auch wegen des vergleichsweise schwachen Wuchses mehr Interesse. Zwar ist auch dieser Blauregen sehr pflegebedürftig (Schnittmaßnahmen), aber gegenüber Wisteria sinensis weist er eine geringere Wuchshöhe und deutlich schlankere Triebe auf. Schwierigkeiten, die sich bei der Verwendung von Glyzinien an Kletterhilfen aus Masse und Dickenwuchs ergeben, treten bei dieser Art weniger stark auf. |
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Es ist üblich, Wisterien (Blauregen) bevorzugt in der Pracht ihrer Blüte darzustellen.
Bei vielen Neupflanzungen warten die Initiatoren jedoch jahrelang auf das Highlight einer
eindrucksvollen Blauregenblüte wie sie Kataloge versprechen. I.d.R. ist dies
vor allem eine Frage des Vermehrung - insbesondere aus Samen gezogene Wisterien brauchen
mehrere Jahre bis zur 1. Blüte. Wesentlich eher blühen veredelte Blauregen und solche, die aus Absenkern blühfreudiger Exemplare gewonnen werden.
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Eine optimale
Hauptblüte von Wisteria sinensis ist in Deutschland wohl nur bei Wuchshöhen bis etwa 15 m zu erwarten, Wisteria floribunda sollte auf Höhen unter 10 m begrenzt werden.
Neben mindestens einer senkrechten Aufleitung sollten Möglichkeiten zur horizontalen Leitung bestehen, die für Wisteria sinensis durchaus jeweils (links und rechts) 10 m lang sein können. Rein vertikale Aufleitungen lassen nur dann eine optimale Blüte von Wisterien erwarten, wenn man einen weiten Überhang (d.h. höhere Windlasten, ggf. Pendelbewegungen) tolerieren kann.
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Im Sommer (bis Frühherbst) werden Jungtriebe (ggf. mehrfach) drastisch gekürzt (5 - 7 Augen, bzw. max. 50 cm). Vom Sommerschnitt verschont bleiben Jungtriebe aus dem Stamm oder möglichst Wurzelhals, die zur Verjüngung eines älteren Blauregen-Exemplars benötigt werden. Im Winter (spätestens Mitte März) erfolgt eine nochmalige Kürzung der Jungtriebe auf drei bis maximal fünf Augen und ggf. eine Entfernung älterer Triebe. Im Zuge des Winterschnittes sind auch solche Schnittmaßnahmen durchzuführen, die mitunter aus statischen Gründen (vgl. u.a. Forschungsbedarf) oder zur Gesunderhaltung (auch Aspekt "Selbsterdrosselung") am alten Holz erforderlich werden. |
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Der maximale Triebdurchmesser
am Wurzelhals einer (angeblich) ausgewachsenen Wisteria sinensis liegt hierzulande laut Literaturangaben
im Allgemeinen zwischen 40 cm und 55 cm, bei W. floribunda bei bis zu 25 cm. Daher ist mit einem wahrscheinlichen Sommergewicht
(durchnässt) um 34 kN und mehr zu rechnen!
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Nach meiner Berechnung ergibt sich für die von C.Althaus untersuchten Blauregen-Exemplare ein potenzielles Holzgewicht um 3,25 kN.
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Mit dieser Holzstuktur lässt sich bestenfalls dann eine beachtenswerte Stützwirkung des Stammes erreichen, wenn dieser sehr dick und gerade gewachsen ist. Die Wahrscheinlichkeit insbesondere für
"schnurgerades" Stammwachstum ist speziell bei Schlingpflanzen außerordentlich gering. Viel häufiger sind Stämme anzutreffen, die aus mehreren verdrillten Trieben (Ästen) bestehen - teilweise im Kern auch abgestorbenen, bzw. "erdrosselten". Das Totholz von Blauregen ist
extrem brüchig und weist keinerlei nennenswerte Festigkeiten auf. Da zwischen parallelen Trieben keine beachtenswert belastbare Verbindung erfolgt, darf für "baumstatische" Betrachtungen nur die Summe der Tragfähigkeit eines Triebbündels betrachtet werden - die Dimensionen des gesamten Bündels bleiben annähernd belanglos. |
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Als Kletterhilfen für alle Wisteria-Arten eignen sich vertikal orientierte Strukturen mit horizontalem Abstand ab ca. 35 cm. Horizonale Verbindungen zwischen Vertikalprofilen, tragen
zur besseren Umverteilung späterer Lasten bei, begünstigen aber den Bewuchs durch Wisteria höchstens an extrem windigen Standorten.
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Alle Wisterien wachsen stark schlingend. Daraus resultiert Deformation und Auslenkung von bewachsenen Profilen geringer Steifigkeit, die häufig zu unkalkulierbaren Spannungen, bzw. Lastverteilungen an und in Kletterhilfen führen. (Vgl. "Fassadenbegrünung - Lasten & Kräfte" und "Vorträge" - beides erreichen Sie über die Biotekt-Startseite oder über die "Biotekt-Fotomap". |
Mittels ausreichend biegesteifer Vertikalprofile, die stark schlingende Pflanzen nur in unkritischen Maßen spiralig verformen und an denen sich Einzeltriebe daher auch seltener selbst abwürgen (Phänomen der "Selbsterdrosselung"), lassen sich auch für Wisteria sinensis sehr sichere Kletterhilfen realisieren. |
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Die Entfaltung der ganzen Pracht einer Wisteria sinensis setzt also entsprechend der gewünschten Höhe eine freie (auch fugenlose) Fassade, eine hochwertige, ausreichend steife Kletterhilfe und eine gewisse Pflege voraus.
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Der im Vergleich zu anderen hier gebräuchlichen Kletterpflanzen extreme Triebdurchmesser erfordert bei Wandbegrünungen entsprechende Wandabstände von Kletterhilfen vor allem in der Nähe zur Pflanzstelle. Wir empfehlen daher für den späteren "Stammbereich" provisorische Kletterhilfen oder
nachträglich lösliche Wandbefestigungen. |
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Das voranstehende Bild "Schlanker Stamm..." zeigt eine Wisteria in Zülpich (NRW) und entstand etwa 1987. Der seinerzeit sehr gerade, senkrechte Stamm hat sich - trotz erheblichem Dickenwuchs inzwischen seitlich geneigt, obwohl die Größe der Pflanze aktuell aufgrund Rückschnitten eher geringer ist als vor 20 Jahren. Dies belegt, dass selbst eine ungewöhnlich gerade Stammausbildung weder von Dauer sein muss, noch dass man ihr eine bleibende stützende Funktion zuschreiben darf. Nachfolgende Fotos zeigen die Pflanze im August 2007. |
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Immer wieder wird empfohlen Wisteria "einfach" als sog. Hochstamm zu erziehen. Häufig wird dabei der Eindruck vermittelt, dass man so nach einigen Jahren einen zuverlässig baumähnlich stehenden Blauregen produzieren würde. Das ist allerdings nur eingeschränkt der Fall und in der Praxis dominieren Ergebnisse wie links abgebildet. Wisterien-Hochstämme brauchen eine standfeste Stütze und vor allem regelmäßigen und kompetent ausgeführten Schnitt, auch wenn sie - eher bonsaimäßig - sehr klein gehalten werden. Wie voranstehend anhand des älteren, wandgebunden wachsenden Blauregen gezeigt, stellt sich auch bei Wisterien meist keine verlässliche "Baumstatik" ein. Das biegeweiche und oft doch spiralig gewachsene Holz verhindert also auch bei Hochstämmen kein Kippen. Wir empfehlen, für jeden Blauregen-Hochstammm schon vor Pflanzung eine unverwüstliche und horizontal hoch belastbare Stütze vorzusehen. |
Eine gewisse Entlastung beim Unterhalten einer Fassadenbegrünung mit Blauregen (Glyzinie) hinsichtlich Flächenbedarf, Konstruktionsaufwand und/oder notwendiger Intensität der Schnittmaßnahmen ergibt sich durch Verwendung der schwachwüchsigeren Wisteria-Arten und -Sorten. Wisteria floribunda kommt auch für die Mehrheit größerer Fassadenbegrünungen als Alternative in Frage und lässt obendrein alljährlich noch eindrucksvollere Blüten als Wisteria-sinensis erwarten.
... in der FAQ Fassadenbegrünung und Kletterpflanzen
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