Keine Rankpflanze bildet am alten Holz jemals neue Rankorgane.
Daraus resultiert, dass auch jeder haftscheibenbildende Wilder Wein vor allem dort Halt besitzt, wo viel junges Holz auf der Unterlage haftet. In Stammnähe haben viele alte Exemplare keine belastbare Verbindung mehr und oft steht der Stamm dann auch relativ weit vor der Unterlage. Auf kleinen Flächen, um die herum periodisch der Neuzuwachs abgeschnitten werden muss, kann dies bewirken, dass irgendwann die Haftung auf der Fläche ohne Abstützung der Haupttriebe nicht mehr ausreichend ist. Der Halt an einer Unterlage (Wand/Mauer) leidet wie oben beschrieben auch unter den Folgen zu geringer Pflanzabstände.
Unabhängig von diesem Aspekt nachlassender Haftung ist es i.d.R. unsinnig, für Parthenocissus tricuspidata Kletterhilfen vorzurichten. Dies gilt erst recht unter dem Aspekt langfristig relativ kräftig (dick) werdender Haupttriebe. Vorgerichtete Kletterhilfen müssten einen vergrößerbaren Wandabstand haben und damit wären spätere Montagearbeiten vorprogrammiert. Diesen Aufwand investiert man m.E. sinnvoller in eine punktuelle Sicherung nach einigen Jahrzehnten. In diesem Fall ist es wirklich zweckmäßig, künftigen Generationen zu überlassen, welche Maßnahmen sie für erforderlich halten...
Zu Parthenocissus quinquefolia und Parthenocissus inserta
Allgemein wird der aus Nordamerika stammende, fünflappige Wilde Wein als "rankend" bezeichnet. Aber das ist mindestens ungenau. Die Sorte Parthenocissus quinquefolia 'engelmannii' bildet Haftscheiben aus und trägt entsprechend auch den Namen Mauerwein. Dagegen gilt Parthenocissus inserta als haftscheibenfrei. Dann müsste diese Art allerdings "rein" sein, was bei Partehnocissus (Sorten) wohl nicht selbstverständlich ist.
Wer Direktbewuchs vermeiden will und dazu einen zuverlässig gerüstkletternden Wilden Wein zur Fassadenbegrünung wünscht, sollte die Parthenocissus inserta (mitunter auch als ;P. vitacea bezeichnet) wählen und möglichst auf Echtheit prüfen. Erkennungsmerkmale
sind grüne (statt rötliche) Jungtriebe und Ranken (ggf. ältere), an denen natürlich keine Haftscheiben (bzw. mehrfache Gabelung) erkennbar sein sollten.
Als Hersteller von Kletterhilfen habe ich eigentlich wenig Anlass, mich konkret mit derartigen Fragen zu befassen, aber aus eigenen Beobachtungen muss ich folgern, dass der fünflappige Wilde Wein sowohl
"normal" sprossrankend, als auch mit Haftscheiben rankend klettert. Dabei sind offenbar auch Übergangsformen möglich, z.B. deutlich lichtfliehende einfach gegabelte Sprossranken, die z.B Halt in porösen Steinen oder Putzen finden. Dieses Phänomen beobachte ich an einem Exemplar in Frankreich, das vorrangig an einer Drahtkonstruktion wachsend, keine Haftscheiben bildet aber trotzdem zumindest punktuell an/in Naturstein und rauhem Spritzputz Halt findet.
Die Ranken von Parthenocissus quiquefolia (egal wie sie nun im Detail funktionieren) sind generell kurz, so dass nur relativ dünne Profile umrankt werden können. Für rankenden Wilden Wein kommen daher bevorzugt Drähte, dünne Seile und Stäbe bis ca. 6 mm Durchmesser als Kletterhilfe infrage. Die Art ist ebenso wie die starkwüchsigen Wildformen der Clematis in der Lage, "vorhangartig" weit herabzuhängen. Daraus können je nach Standort und Schnitt hohe Nassgewichte und Windlasten resultieren. Ob und wie Kletterhilfen für Begrünungen mit Parthenocissus eine sinnvolle Maßnahme darstellen, sollte - natürlich auch sortenabhängig - im Einzelfall entschieden werden.
In derartigen Fragen verweise ich gerne auf meinen jüngeren und vor allem häufiger mit Selbstklimmern befassten Kollegen Sven Taraba - www.fassadengruen.de. Den empfehle ich hier auch ausdrücklich als sorgfältigen Kletterpflanzenlieferanten.
Als weiterführende Information zu eher botanischen Aspekten der Parthenocissus Arten und Sorten erscheint mir der Verweis auf einen englischsprachigen Wikipedia Artikel hilfreich.
------
Zur Verwendung der selbstklimmenden Parthenocissus Arten und Sorten
|