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Kommentar Nr. 02 (Fassadenbegrünung)

...zu einer Pressemitteilung bzgl. Entfernung einer Wisteria am Rathaus Bad Honnef

(Siehe Originaltext unten, bzw. Link in Presse und PR)

Thorwald Brandwein, verantwortlich für "biotekt.de".

Jeder, der über minimales Grundwissen zur Fassadenbegrünung verfügt, kann schon allein anhand des Fotos auf der Webseite der Stadt erkennen, dass eine Bepflanzung mit Wisteria sinensis höchstwahrscheinlich zu Problemen führen wird.
Das von Joachim Schürmann entworfene und um 1976 herum fertiggestellte Gebäude eignet sich - schon allein von der Höhe her - nur dann für eine Begrünung mit Wisteria sinensis, wenn regelmäßig entsprechende Schnittmaßnahmen sichergestellt (finanzierbar) sind.
Die Tatsache, dass Regenfallrohre keine geeigneten Kletterhilfen darstellen und dass außen montierte Verschattungseinrichtungen keinem Bewuchs vertragen, sind Binsenweisheiten, die objektive und kompetente Begrünungsbefürworter seit langem predigen. Allerdings finden deren Stimmen kaum Gehör, solange Institutionen, denen man gerne vorbildliches Handeln unterstellt (vermutlich aufgrund falschen Sparens), weiter den Anschein erwecken, der gute Wille würde für erfolgreiche Fassadenbegrünungen ausreichen. Wie in diesem Fall ist dann meist das Ergebnis alles andere als vorbildlich! Sowohl der praktische Misserfolg, als auch der Imageschaden, der der Fassadenbegrünung an sich zugefügt wurde, wären leicht und ausgesprochen kostengünstig zu vermeiden gewesen.

Die erschreckend hohen Folgekosten, die hier entstanden sind, resultieren nicht aus Rücksichtlosigkeit eines speziellen Blauregens, sondern aus "Blauäugigkeit" (wenn nicht gar Inkompetenz) jener Person oder Personen, die diese Begrünung seinerzeit ausgeführt hat, bzw. haben.

Ich weiß nicht, wie oft die Stadt Bad Honnef jährlich bis 14.000 Euro für Schadensbegrenzung aufgewandt hat, aber ich weiß sehr genau, dass man für dieses Geld einige unbedenkliche Fassadebegrünungen anlegen kann - an anderer Stelle auch solche mit Wisteria sinensis.

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Originaltext der kommentierten Pressemitteilung:

Pressemitteilung: 94/04 vom 03.06.2004

Entfernung der Fassadenbegrünung des Rathauses

Bad Honnef. Bei der Fassadenbegrünung des Rathauses, die in der letzten Maiwoche entfernt wurde, handelte es sich um Blauregen, auch Glyzinie genannt (botanisch korrekt: Wisteria sinensis). Diese Kletterpflanze besitzt keine "Arme und Beine", um sich festklammern zu können. Wächst sie wild in der Natur, klettert sie an anderen Pflanzen in die Höhe, um ans Licht zu gelangen. An der Rathausfassade bediente sich der Blauregen hauptsächlich der Regenfallrohre als Kletterhilfe, auch an Dachrinnen und außenliegende Fensterrollos fand er Halt. Mit der Zeit erreichte der Blauregen stattliche Ausmaße und beschädigte Gebäudebestandteile des Rathauses. Die Regenfallrohre wurden schlichtweg zusammengedrückt und motorisierte Sonnenschutzrollos immer wieder unbenutzbar. Auch Dachrinnen, -kanten, -ziegel und -isolierung wurden beschädigt. Die Pflanzen wuchsen bis zu zwei Meter in die Lüftungsschächte und machten Rauchabzüge auch unter Sicherheitsaspekten funktionsunfähig. Um das Wachstum unter Kontrolle zu halten, mussten die Pflanzen mindestens zwei bis drei Mal pro Jahr in mehrtägiger Arbeit mit Hilfe einer gemieteten Arbeitsbühne beschnitten werden. Dadurch entstanden der Stadt jährlich Kosten bis zu 14.000 Euro. In diesem Betrag ist die Beseitigung der Gebäudeschäden nicht enthalten. Deshalb wurde der Blauregen jetzt entfernt.

Diese Presse-Mitteilung wurde am: 03.06.2004 veröffentlicht. Ansprechpartner Presse: Christine Pfalz, Telefon (0 22 24) 18 41 03
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