Hedera helix und Hedera colchica
Efeu - Arten und Sorten des Efeus

Porträt Fassadenbegrünung Thorwald Brandwein - Polygrün Kletterhilfen

Efeu ist ein heimischer Haftwurzelkletterer. Man darf davon ausgehen, daß er seit jeher menschliche Behausungen vor Witterung und Sicht geschützt hat. Als Heilpflanze kennt man Efeu schon seit der Antike. Man nutzte Wurzel, Blätter und Früchte oder Extrakte innerlich und äußerlich. Auch heutzutage wird Efeu-Extrakt u.a. bei Atemwegserkrankungen und als Komponente von Hautpflegemitteln eingesetzt.

Da Efeu (wirklich) immergrün ist, und sich sehr dicht und ausladend entwickelt, erfüllt er Schutzfunktionen (Niederschlag, Wind, Sicht) wie keine andere Kletterpflanze. Sowohl von seinen Standortansprüchen her, als auch aufgrund bauphysikalischer Wirkungen sollte Efeu an nördlich bis westlich orientierte Fassaden gepflanzt werden.
Allerdings muß bei aktuellen Begrünungsmaßnahmen sorgfältiger als je zuvor geprüft werden, ob Efeu an der betreffenden Fassade zum Einsatz gelangen darf.

Die Erläuterung aller Schadenspotentiale - insbesondere bei Verwendung von Hedera helix würde den Rahmen einer Beschreibung und grundsätzlicher Verwendungshinweise sprengen. Hierzu sei ergänzend auf die "Richtlinie zur Planung, Pflege und Ausführung von Fassadenbegrünungen mit Kletterpflanzen" (FLL 2000) verwiesen.

Sehr viele Schäden in Verbindung mit Efeu resultieren aus der Unterschätzung des Wuchsvermögens - teilweise auch des daraus resultierenden Gewichtes. Der Hinweis, dass Efeu keinen intakten Putz oder fachgerecht verfugtes Mauerwerk schädigt, ist richtig, stellt aber auch dann keinen generellen Freibrief zur Efeuverwendung dar, wenn die Wand bestens "efeugerecht" ist. An und über Fassaden gibt es auch anderes als eine Oberfläche, z.B. das Dach - oder wie im Bild rechts - eine Turmuhr in einer Höhe, die deutlich über der Firsthöhe vieler mit Efeu bewachsener Gebäude liegt ...
Darüber, ob jede "Verunzierung" einer Mauer oder Fassade durch Haftwurzeln als Schaden anzusehen ist, kann man m.E. streiten. Sie ist eine (i.d.R.) unabdingbar mit einer Bauwerksbegrünung mit Efeu verbunden und als Bestandteil einer solchen ebensowenig ein Schaden, wie z.B. Mörtel an vermauerten Steinen einen solchen darstellt. "Ohne funktioniert es eben nicht!"

Rückschnitt/Schnitt von Efeu
Die Freiwillige Feuerwehr in
Bachmanning (Österreich) kürzt
periodisch diesen Efeu. Im Archiv
wird vom Schnitt 2003 berichtet.
Ich danke Webmaster Peter Reischl
für die Überlassung dieses Fotos.

Gepflegte Fassadenbegrünung mit Efeu
Gepflegte Hausbegrünung mit dominierendem Efeu und dazwischen langsam verkümmerndem Wildem Wein.

Nur wenn ein Efeu (oder anderer Selbstklimmer) entfernt wird, zeigt sich diese dann nachteilige Wirkung selbstklimmender Begrünungen. Die dann störenden Haftwurzeln (ggf. auch Haftscheiben) haben seinerzeit eine ausgesprochen preiswerte Hausbegrünung ermöglicht. Die Verunreinigung durch Haftorgane alleine dürfte man also nur dann als Schaden ansehen, wenn sich die gesamte Begrünung nicht bewährt, bzw. bezahlt gemacht hat, bzw. macht. Dies ist leider häufiger der Fall - immer dann, wenn ein Efeubewuchs begründet "vorzeitig" (bereits nach wenigen Jahren) entfernt wird und erst recht, wenn er bereits dann aufwändig zu behebende Spuren hinterlassen hat.
In den meisten Fällen resultieren wirkliche Probleme mit Efeu, die zu dessen Entfernung führen, aus der Unterschätzung seiner potenziellen Größe. Entweder bewächst er dann sensible Bereiche, wo er wirkliche Schäden verursachen kann oder der (wachsende) Aufwand für Schnittmaßnahmen wird unzumutbar.
In meiner "FAQ Fassadenbegrünung" werden einige daraus resultierende Schwierigkeiten detaillierter besprochen.

Auch von Efeu gibt es verschiedene Arten und jeweils etliche Sorten. Die meisten gehen auf die Arten Hedera helix (kleinblättrig) und Hedera colchica (großblättrig) zurück.

Die Ausbildung der Haftwurzeln, mit denen Efeu klettert, ist u.a. sortenabhängig. Einige Efeusorten eignen sich daher schlechter oder auch garnicht zur Fassadenbegrünung.
Nur Jungpflanzen bilden Haftwurzeln und das auch nur einmalig am jeweiligen Neuaustrieb.
Die Haftwurzeln haften je nach Untergrund verschieden fest. Maßgeblich für die Qualität der Haftung dieser Organe ist vorrangig die Oberflächenstruktur (Rauigkeit / Porosität).
Die Quantität gebildeter und wirksam ausgerichteter (den Untergrund erreichender) Haftwurzeln hängt sehr wesentlich auch von den jeweilgen Lichtverhältnissen ab. Insbesondere bei diffusen Lichtverhältnissen vor sehr hellen Fassaden bildet Efeu - wie andere Internodienwurzler - vermindert Haftwurzeln aus.
Häufig stell man fest, dass Efeu im Vollschatten (auch unter eigenem Laub) über den gesamten Sprossumfang Wurzelansätze ausbildet. Beides erklärt sich aus fehlenden Helligkeitsunterschieden, also fehlender Voraussetzung für jede Form von Phototropismus.

Haftwurzelbildung und Untergrundtönung (Helligkeit) im Dauerschatten
Haftwurzelbildung und Farbe des Untergrundes bei diffusen Lichtverhältnissen im Schatten - hier am Beispiel einer Kletterhortensie

Das Efeulaub ist je nach Sorte und Alter dunkel- bis laubgrün. Verschiedene Sorten haben hell geflammte oder umrandete Blätter. Unscheinbare, gelblich grüne Doldenblüten erscheinen im Spätsommer bis Herbst, die nicht ganz erbsengroßen, schwarzen Früchte reifen im Folgejahr.
Efeu wird zu den Giftpflanzen gezählt. Sapoine [Hederin] ist vor allem im Laub konzentriert, die Blüten und das Holz enthalten den Wirkstoff in geringerer Konzentration weniger. Neben eher unwahrscheinlichen (und wohl i.d.R. eher harmlosen) Vergiftungen durch Verzehr, kann der Saft von frischen Efeublättern Hautausschläge hervorrufen. Menschen mit empfindlicher Haut sollten sich daher beim Beschneiden von Efeu durch geeignete Kleidung und Handschuhe schützen.
Der Verzehr von Efeubeeren oder -blättern kann (könnte) vor allem bei Kindern zu Vergiftungserscheinungen mit der Folge von Durchfall, Erbrechen, Krämpfen führen. Im Allgemeinen erweist sich diese Möglichkeit jedoch als fast bedeutungslos - wie die meisten giftigen Pflanzen schmeckt Efeu niemandem.

Hedera helix, Efeu; Selbstklimmer mit Haftwurzeln
Wandbegrünung mit Hedera helix


Kletterpflanzen Übersicht
(weitere Kletterpfanzen)



Biotekt Start

Sorten von Hedera helix sind in Westeuropa gebräuchlicher. Ihnen wird ein Wachstum von 20 bis 25 m Höhe, manche Literaturstelle nennt 30 m, zugeschrieben.
Die Ausbreitung auf ebenen senkrechten Wänden erfolgt fächerförmig etwa unter 45 Grad, so dass die bedeckte Fläche einem auf der Spitze stehenden Viertelkreis entspricht. Sie kann bis etwa 500 m² groß sein. Hedera colchica erreicht Wuchshöhen bis etwa acht Meter und bedeckt entsprechend kleinere Flächen.

Entsprechend wissenschaftlicher Untersuchungen (Rath, Fraunhofer Institut) sollte das Gewicht von Efeu mit etwa 0,35 kN je m² angenommen werden. Schnee- und Eislasten sind dabei berücksichtigt. Die Literatur nennt für Hedera helix Triebdurchmesser am Wurzelhals bis etwa 30 cm, berichtet aber auch von Exemplaren mit D > 50 cm.
Wir haben Efeu (wie auch andere Selbstklimmer) in unsere Online-Gewichtsermittlung aufgenommen. Hier können sie auch das Maximalgewicht von Efeu abschätzen.
Vielfach wird Efeu als langsam wachsend dargestellt. Das ist nicht richtig - auch wenn Neupflanzungen i.d.R. diesen Eindruck bestätigen. Nach einer ggf. mehrjährigen Anwuchsphase kann der jährliche Zuwachs bei Hedera colchica einen Meter, bei Hedera helix zwei Meter und mehr betragen. Etablierte Exemplare von Hedera helix sollten daher als schnellwüchsig angesehen werden.

Alle Efeusorten wachsen negativ phototrop orientiert, d.h. mit lichtfliehenden Trieben. Allein aufgrund dieses Wuchsmerkmales ist die Verwendung aller Arten und Sorten von Efeu vor Fassaden mit offenen Fugen ausgeschlossen. Ferner muß, u.a. aus statischen Gründen, die Begrünung von Vollwärmeschutz-Systemen mit Efeu unterlassen werden.
Ebenfalls prinzipiell abzuraten ist von der Übergrünung von Holzschalungen oder Holzfachwerk. Hier verursacht oder begünstigt Efeu starke Beschädigungen, die an Schädlings- oder Pilzbefall erinnern. Das Holz verliert auch wenn es unter dem Bewuchs völlig trocken gehalten wird seine Festigkeit und muss erneuert werden! Wie diese Wirkung zustande kommt, ist mir noch nicht bekannt. Neben tatsächlichem Schädlingsbefall kann evtl. auch irgendein Zusammenhang mit eben dieser Trockenheit hinter einem Efeupolster bestehen.
Hinter einem Fassaden- oder Mauerbewuchs mit Hedera macht diese übrigens auch Stahlbeton zu schaffen. Die Korrosionsbeständigkeit von Bewehrungen setzt eine gewisse Mindestüberdeckung mit Beton voraus. Diese wiederum benötigt eine gewisse Feuchte um wirksam das Eindiffundieren von Sauerstoff zu verhindern. Unter Efeubewuchs kann es so zu trocken werden, so dass die übliche Bedeckungsdicke der Bewehrung nicht mehr ausreicht und vorzeitig Korrosion an Bewehrungsstählen eintritt.
Praxisrelevant ist allerdings vor allem die Wirkung auf (totes) Holz. Sie begründet z.B. dass Fachwerkbauten nicht mit Efeu begrünt werden dürfen, selbst wenn diese so fugendicht ausgefacht wären (sein könnten), dass aus dem Materialwechsel, bzw. der Fuge kein Risiko entstünde.

Die Begrünung glatter Flächen, z.B. Keramik, Naturstein, beschichteter Beton und alle Metalle, mit Efeu ist (ohne stützende Kletterhilfe) auf Dauer nicht möglich - der Halt durch Haftwurzeln ist dann unzureichend. Als dauerhaft sinnvolle Stützeinrichtung empfehlen sich stabile waagerechte Leisten oder Stäbe ab etwa 2 m Höhe ca. alle 40 cm bis 50 cm übereinander in einem Wandabstand von > 12 cm. (Vertikale Seile als Kletterhilfe für Efeu sind sinnlos rausgeschmissenes Geld!)

Die Lebenserwartung von Hedera helix und Hedera colchica beträgt deutlich über 150 Jahre, es wird von etlichen mehrere hundert Jahre alten Exemplaren berichtet.

Efeu beseitigen und Haftwurzeln entfernen ....

Inzwischen häufen sich Anfragen, wie man Efeu beseitigen und die Reste und Spuren eines Efeubewuchses von Fassaden entfernen kann. Manch einem wächst er eben doch eines Tages sprichwörtlich über den Kopf. Oft ist dies mit so viel Verdruss für Hausbesitzer verbunden, dass eine endgültige Entfernung angestrebt wird. Das heisst dann:
  • Pflanze (für immer) abtöten,
  • Pflanze beseitigen und
  • Fassade (Mauer) von Resten der Haftwurzeln befreien

Abtöten einer Efeu-Pflanze

Zur bleibenden Beseitung von Efeu im Garten oder am Haus ist es erforderlich, das Wurzelwerk vollständig auszugraben oder abzutöten. Solange Efeu in lockerer Erde wächst, stellt dies kein Problem dar. Efeu wurzelt dort eher flach und vielfach kann man in diesem Fall die Wurzeln beim Umgraben mit einem Gabelspaten ausreichend vollständig auslesen. Allerdings wurzelt Efeu in trockenerem Boden auch tiefer.
In steinigen oder gar felsigen Böden wird Ausgraben häufig unmöglich. Wurzeln, die sich zwischen größeren Steinen oder in Felsspalten - aber auch unter Bauwerken - etabliert haben, lassen sich meist nicht mehr ausreichend vollständig ausgraben. In diesem Fall empfehle ich, einen Fachbetrieb mit einer gezielten Pflanzenvernichtung zu beauftragen. Dazu rate ich auch, wenn Efeu in einer - ggf. historischen - Mauer wurzelt.

Efeu (Hedera helix) an Felsen (Kakushöhle)
Efeu an einem Felsen kletternd,
tiefe Verwurzelung in Felsspalten
(Kakushöhle 2007)

Ist nur eine temporäre Beseitigung der oberirdischen Plfanzenteile - z.B. zur Fassadenrenovierung - angestrebt, genügt eine Durchtrennung der Triebe - egal in welcher Höhe. Efeu regeneriert sich - auch wenn der gesamte oberirdische Teil entfernt wird - schnell aus verbliebenen Stümpfen oder den unterirdischen Pflanzenteilen.

Freilegen einer Fassade (oder Wand/Mauer)

Insbesondere jüngere Efeupflanzen, die noch viele frische Haftwurzeln auf der überwachsenen Fläche aufweisen, sollten nicht in frischem (noch feuchten) Zustand von einer Wand abgelöst werden. Das frische (noch elastischere) Holz lässt sich zwar in längeren Teilstücken abreissen, aber dann bleiben größere Reste der jungen Haftwurzeln am Untergrund haften. Der Abriss junger - noch lebender Haftwurzeln (Wurzelansätze) erfolgt näher am Trieb, als am Untergrund. Lässt man die Pflanze erst verdorren, lösen sich die jungen Haftwurzeln zu etwas größeren Teilen vom Untergrund.

Beseitigung der anhaftenden Haftwurzeln von Außenwänden

Nach Entfernung der Efeutriebe zeigt sich ein mitunter erschreckendes Bild der Fassade. Je nach Oberfläche (und Efeuart/-sorte) hängt sie mehr oder weniger voll mit mehr oder weniger langen Haftwurzeln. Diese lassen sich um so schwieriger entfernen, je fester und rauher die Fassade ist.
Besonders schwierig ist demnach die Reinigung rauher Putz- und Klinkerfassaden. Hier wird man um "Abflämmen" nicht herumkommen. Das sollte allerdings erst begonnen werden, wenn alle größeren Pflanzenreste entfernt sind - bereits mehrfach wurden Gebäudebrände durch das Hantieren mit Gasbrennern zu dicht an vertrocknetem Efeubewuchs ausgelöst.

Fassadenbegrünung - Fassade mit Haftwurzeln von Efeu; Hedera helix
Reste von Efeu-Haftwurzeln
auf einer Fassade

Auf verputzen und/oder gestrichenen Fassaden kann man Glück haben und mit einer Hochdruckreinigung (möglichst Heisswasser) ausreichende Erfolge erzielen. Ggf. bietet sich bei geringer Beeinträchtigung und/oder guter Löslichkeit (Abhängig von der Fassadenoberfläche) sogar eine Trockenreinigung mit anschließendem Nachwaschen an. (Siehe hierzu auch Ausführungen über die Entfernung von Haftwurzeln einer Campsis unter "dekorative Rankhilfe".

Daraus: Bilder der Haftwurzeln von Campsis

Fassadenbegrünung - Haftwurzeln von Campsis radicans  trotz Rankhilfe   Haftwurzeln von Campsis radicans   Fassade nach maschineller Haftwurzelentfernung fleckig Links: Fassadenverschmutzung durch Haftwurzeln von Campsis radicans sechs Jahre nach Neuanstrich.
Mitte: Punktuelle Haftwurzeln (den Nodien entspringend)
Rechts: Ergebnis einer weniger schonenden Reinigung (Drahtbürste auf schwacher Maschine)

Die Entfernung der Reste anhaftender Haftwurzeln ist bei Efeu (auch aufgrund der Mengen) deutlich aufwändiger!

Das Reinigungsergebnis einer Hochdruck-Nassreinigung lässt sich sehr oft durch haushaltsübliche Reinigungsmittel verbessern. Auf Anstrichen aller Art habe ich relativ brauchbare Ergebnisse mit Kunststoffreinigern (leicht lösungsmittelhaltig) erzielt. Auf ungestrichenen Putz- oder Steinoberflächen verbessern kalklösende Reiniger (Sanitärbereich) m.E. die Wirkung eines Hochdruckreinigers. In beiden Fällen vornässen und das Reinigungsmittel einwirken (aber nicht eintrocknen) lassen.

Jede umfangreichere Haftwurzelentfernung bei Efeu bringt es mit sich, dass eine Putzfassade anschließend sanierungsbedürftig ist - mindestens ist ein neuer Anstrich fällig. Ob man dazu jedes Wurzelhäarchen restlos entfernt (oder entnervt dann doch ein paar einfach überarbeitet) muss jeder selbst entscheiden.... M.E. stören ein paar punktuelle Haftwurzelreste nicht, sofern sie sich mühelos deckend überstreichen lassen. Dazu gibt es im entsprechenden Fachhandel geeignete Voranstriche.
Wer solche Schwierigkeiten, die nun mal - neben einigen anderen - zu jedem selbstklimmenden Bewuchs gehören, im Voraus vermeiden will, entscheidet sich besser für einen Fassadenbewuchs mit einer Gerüstkletterpflanze.

Baumbewuchs durch Efeu

In zahlreichen Wäldern, aber auch an Parkbäumen und in vielen Gärten wächst Efeu - gewollt oder ungewollt - an Bäumen. Die Meinungen hinsichtlich der Verträglichkeit sind geteilt. Einerseits werden vielfach Schäden durch Wurzelkonkurrenz und "Auszehrung" der Bäume unterstellt, andererseits wird jegliche schädliche Wirkungen bestritten - teilweise sogar eine stützende Wirkung gepriesen. So soll angeblich der originale "Birnbaum von Ribbek auf Ribbek" als er längst innen ausgefault war, noch einige Jahre vom daran klimmenden Efeu aufrecht gehalten worden sein.....

Beide Ansichten sind falsch. Weder zehrt Efeu (über Haftwurzeln) gesunde Bäume aus, noch wäre er jemals irgendwie in der Lage, einen Baum zu stützen. Wie jede Kletterpflanze kann auch stark verholzter Efeu bei weitem noch nicht einmal jenes Gewicht tragen, das er an einer geeigneten Unterlage kletternd entwickelt. Efeu ist ohne eine ihn stützende Unterlage (Wand, Baum) nichts anderes als ein Bodendecker.... Kranke, oder aus anderen Gründen irgendwie vermindert tragfähige Bäume brechen daher gelegentlich unter der Zusatzlast eines Efeubewuchses zusammen - häufig bei Sturm/Schneefall.
Vor allem bei freistehenden Bäumen, die von Efeu sehr stark durchdrungen oder gar überwuchert sind kann u.U. die Standfestigkeit eines Gehölzes gefährdet werden. Üblicherweise beschränkt sich die baumschädigende Wirkung von Efeu aber auf eventuelle Überlegenheit in der Konkurrenz um das Sonnenlicht.

Efeu (Hedera helix) an einem schwachwüchsigen Baum
Efeu an einem schwachwüchsigen Baum. Hier besteht "Erstickungsgefahr" und ggf. kann die Standsicherheit (auch hinsichtlich Windlasten) gefährdet werden.

Es kann passieren, dass schwächer wachsende Gehölze von Efeu derart überwuchert werden, dass sie unter Lichtmangel leiden und teilweise - in Ausnahmefällen auch gänzlich - absterben.

Eine "Auszehrung" von Bäumen mittels der Haftwurzeln ist ebensowenig möglich, wie sich Efeu über diese ernähren kann. Ein Wurzelansatz, der einmal aufgrund der Umgebungsbedingungen zur Haftwurzel verkümmert ist, wird dauerhaft zu einem toten Bestandteil der Pflanze, das weder wächst, noch irgendwelche anderen Aktivitäten entwickelt! Der ebenfalls mitunter geäußerte Verdacht, Efeu könne den Dickenwuchs von Bäumen behindern und diese so "strangulieren" ist m.E. vor allem eine theoretische Möglichkeit, die in der Praxis nur selten nachzuweisen ist. Efeu umschlingt die bewachsenen Bäume nicht, oder nur in so geringem Maße, dass solches "Erwürgen" eine ungewöhnliche Ausnahme darstellen dürfte.
Die nachfolgenden Bilder zeigen jahrzehntealte Efeustämme an Bäumen. Der Efeu strebt i.d.R. weitgehend parallel zum Baumstamm dem Licht entgegen. Wie auch an Fassaden und Felsen verliert der Efeustamm mit der Zeit sogar den direkten Kontakt zur Unterlage. Die Fotos entstanden in einem Wald, dessen Baumbestand sehr viel Efeubewuchs aufweist. Efeubedingte Beschädigungen lassen sich dort nicht feststellen.

Hedera helix am Baum    Baumbewuchs durch Efeu    Efeu am Baumstamm
Baumstämme mit Efeubewuchs (Hedera helix) im Naturpark Eifel (Umgebung der Kakushöhle, 2007)

© Thorwald Brandwein

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