Fallopia aubertii an schmalen, großfeldrigen
Polygrün-Kletterhilfen (Kletterleitern) in
(überholter) Spanntechnik. (Anlage 1995, Foto 04.07)
Fallopia aubertii dominiert gegenüber ab-
gestorbener Lonicera henryi und inzwischen
extrem kümmerndem Parthenocissus.
Polygrün-Kletterhilfe (wie Foto
oben), Wandabstand 150 mm, Feldmaß
40 cm x 50 cm; Gesamtbreite 60 cm.
(Aktuelle Ausführung nur rohrverstärkt.)

Lichtfliehender Wuchs (negativer
Phototropismus) von Knöterich;
hier begünstigt durch eine
verschattete Vertikalfuge.
Vorne: Dünne Polygrün-Kletterstange
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Bei sehr schnellem Wachstum - man kann durchaus von Wuchern sprechen - werden Höhen bis über 15 m bei nur etwa 5 cm Triebdurchmesser erreicht. Spitznamen wie "Klettermaxe" oder gar "Architektentrost" resultieren aus dem Vermögen sehr schnell zu wachsen und dabei auch sehr schnell Flächen zu überdecken.
Knöterich bildet viel Totholz und tendiert zum Aufkahlen unter wuchernden Überhängen. Überwiegend werden jährliche Rückschnitte empfohlen.
Die o.a. Wuchshöhe gilt für Fallopia aubertii. Die Angaben aus der Literatur
umfassen 8 bis 20 m. Für die Höhe dürfte die Struktur der Kletterhilfe sehr entscheidend sein. Vor allem Schlingpflanzen erreichen an optimalen Kletterhilfen größere Wuchshöhen. Dazu ist es hilfreich, wenn die natürliche (und vitalitätsabhängige) Windebewegung möglichst wenig beeinträchtig wird aber gleichzeitig schon jüngster Bewuchs bleibenden Halt findet.
Fallopia baldschuanica (Einfuhr 1883) bleibt etwas kleiner (10 -12 m) unterscheidet sich aber ansonsten
kaum von Fallopia aubertii und ist in Deutschland nicht handelsüblich.
Das Pflanzengewicht von Fallopia ist trotz des relativ geringen Holzanteils wegen der
Massebildung recht hoch anzusetzen. Hier empfehle ich dringend sich eingehender mit den evtl.
heranwachsenden Lasten auf Kletterhilfen, Befestigungsmittel und Fassaden zu befassen.
Ein dazu taugliches Instrument stellt unsere Online-Maximal-Gewichtsermittlung dar. Sie gibt für Fallopia aubertii einen Standardwert für den Überhang (gesamte Pflanzenpolsterdicke) von 1,1 m vor. Dieser Wert wird in der Praxis aber vielfach deutlich überschritten (Foto oben) und sollte jeweils entsprechend realistischer Einschätzung langfristiger Zuverlässigkeit von Schnittmaßenahmen angepasst werden. Ich habe bisher die Erfahrung gemacht, dass Bauherren im Laufe der Jahre immer dickere Pflanzenpolster tolerieren und Bewuchsdicken (Überhänge) >2 m in der Praxis eher normal als selten sind.
Da Knöterich sehr engastig wächst, ist ggf. eine erhöhte Sicherheit für Schnee- und
Eislasten sinnvoll. Dies gilt vor allem für waagerecht Ausbreitungen, z.B. auf
Pergolen. Hier halte ich selbst in schneearmen Lagen mindestens 0,2 kN/m² für angemessen - in schneereichen Gegenden entsprechend mehr. Bei vertikal orientierten Fassadenbegrünungen sind m.E. kleinere Zuschläge pro m² senkrechte Fläche vertretbar.
Weitere Details hierzu finden Sie unter "Hinweise zur Statik von Fassadenbegrünungen"; 1. Sommergewicht, 2. Schnee- und Eislasten und 3. Windlasten
Da Knöterich sehr eng windet und offenbar durch Dickenwuchs trotz geringer Durchmesser hohe Drücke ausübt, dürfen die pflanzenverursachten Kräfte auf Kletterhilfen und Bauwerk nicht vernachlässigt werden. Sie können trotz der Schlankheit von Ästen evtl. Kräfte/Lasten im Bereich mehrerer kN (ggf. auch t [Tonnen]) verursachen.
Knöterich bildet nach aktuellem Kenntnisstand lichtfliehende Triebe! Aufgrund des
schnellen Wuchses rate ich daher - auch unter Hinweis auf die gerade genannten potenziellen pflanzenverursachten Kräfte dringend von der Verwendung vor Fassaden mit offenen Fugen dringend ab.
Die Lebenserwartung von Fallopia aubertii (Polygonum) beträgt mit hoher Wahrscheinlichkeit >30 Jahre.
© Thorwald Brandwein
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