Polygrün – die Kletterbasis
Fassadenbegrünung an einem Passivhaus mit
rohrverstärkten Polygrün Klettermatten
- hier zur horizontalen Leitung einer Wisterie (Blauregen).

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Fassadenbegrünung Giebelansicht; Passivhaus mit Verklinkerung
Fassadenbegrünung mit horizontaler Polygrün Klettermatte
(Alle Fotos dieser Seite aus Mai 2006)


Eine grüne und zeitweise eindrucksvoll blühende Girlande quer über die gesamte Giebelwand ist Ziel dieser an sich einfachen Begrünungsmaßnahme.
Der schon einige Jahre an der rechten (extrem windigen) Hausecke stehende Blauregen nahm an provisorischen Kletterhilfen immer wieder Schaden. Erkennbar mechanische Schäden ließen sich leicht durch den Wind und das rauhe Mauerwerk erklären. Aber es gab auch Welke und Kümmern im Sommer ohne konkret feststellbare Ursache. Dabei könnte es sich um Hitzeschäden gehandelt haben, die minimaler Wandabstand vor dieser sich stark aufheizenden Verklinkerung begünstigt hat.
Wie auch immer - die Bauherren entschieden sich zur "Stabilisierung" ihres angegriffenen Blauregens für eine Polygrün-Kletterhilfe mit entsprechendem Wandabstand.

Die Herstellung dieses Wandabstandes (16 cm) war an dieser Fassade allerdings etwas aufwändiger als im Normalfall.
Hinter dem Verblendmauerwerk befindet sich eine dünne Luftschicht und eine 12 cm starke Mineralfaserdämmung vor dickem Mauerwerk aus Leichtziegeln. Zur Herstellung geeigneter Befestigungspunkte für die Kletterhilfe wurden überlange Polygrün-Fassadenanker (Länge 400 mm) gefertigt und montiert. Zusammen mit den äußeren Befestigungsbauteilen (Abstandhalter und Konsolen) ergibt sich bei dieser Maßnahme eine Kraglänge der Befestigung (Maß zwischen Tragwerk und Kletterhilfe) von ca. 42 cm.
Zur Kompensation dieser langen Hebel wurde die Zahl der Abstandhalter deutlich erhöht. So konnte der Einbau dickerer Anker, die sehr viel auffälligere Scheiben zum Abdecken der Bohrungen erfordert hätten, vermieden werden. Im Detail ist erkennbar, dass trotz der o.a. Kraglänge sehr schlanke und unauffällige Befestigungen realisiert werden konnten

Fassadenbegrünung mit Polygrün-Kletterhilfe, Wandabstand 160 mm
Polygrün-Kletterhilfe - Ausschnitt/Detailbild

Der Bildausschnitt zeigt auch, wie filigran die Kletterhilfe sein kann, obwohl sie für Wisteria sinensis konzipiert ist. Langfristig sollen drei Triebe horizontal geleitet werden. Dazu stehen drei horizontale Achsen der Kletterhilfe zur Verfügung. Die beiden verstärkten Achsen aus Rundrohr (D = 20 mm) oben und unten, sind gut sichtbar, aber die horizontale Mittelachse (D = 8 mm) kann man selbst im Ausschnitt kaum erkennen. Die gesamte Kletterhilfe (Breite 10,60 m, Feldweite Querteil 40 cm x 40, Feldweite Aufleitungen 40 cm x 35 cm) besteht hier aus insgesamt vier Einzelteilen, den beiden Aufleitungen mit je drei rohrverstärkten Achsen und zwei Horizontalelementen von 5,90 m und 4,70 m Länge. Zur Senkung von Transportkosten können aber auch kürzere Einzelelemente gefertigt und steckbar vorgerichtet werden.

Die rechte Aufleitung wird künftig einen relativ großen Teil des Gewichtes der Wisteria tragen müssen. Dazu wurde sie im unteren Bereich nicht mit den unauffälligen Abstandhaltern, sondern mit jeweils einer Konsole je Vertikalachse befestigt. Die Vertikalrohre der aufleitenden Kletterhilfe stützen dadurch auch den rechten Bereich der horizontalen Kletterhilfe.

Die Steifigkeit der 20 mm dicken GFK-Rohre (Wandstärke um 4,75 mm) ist nach unseren bisherigen Kenntnissen sogar ausreichend, um jenen Kräften zu widerstehen, die der Dickenwuchs von sie umschlingenden Trieben von Wisteria sinensis verursacht.

Polygrün-Konsole für Kletterhilfe
Polygrün-Konsole für Kletterhilfe zur Fassadenbegrünung mit Wandabstand 160 mm



© Thorwald Brandwein

Solange nur Dickenwuchs spiralig um das Rohr gewachsener Triebe bis zu einer Gesamtdicke um 12 cm auftritt, verbiegen sich solche Rohr dadurch nicht erkennbar.
Infolge dieser Steifigkeit kann bei Polygrün-Kletterhilfen auf einige Wartungs- und Pflegemaßnahmen, die an Seilkonstruktionen unerlässlich sind, vollständig verzichtet werden. Es kommt auch nicht zu Strangulationen durch die Kletterhilfe.
Allerdings können im Gitter, bzw. zwischen parallenen Rohren bereits Triebe ab ca. 2 cm Dicke erkennbare Deformationen bewirken, wenn sie gleichzeitig zwei Rohre umwinden. Dieser Belastungsfall wirkt sich an allen Konstruktionen - egal aus welchem Material - aus. Bei Seilkonstruktionen geht er mit einem Flaschenzugeffekt einher, an Hölzern bewirkt er Bruch und Metallprofile werden bleibend verbogen. Jeder Haupttrieb sollte daher immer jeweils an einem Vertikalprofil aufwärts wachsen und spätere Seitentriebe sollten an parallelen Profilen einer Polygrün-Kletterhilfe keine Dicke deutlich > ca. 2 cm erreichen. Die dazu mitunter erforderlichen Schnittmaßnahmen stellen keinen zusätzlichen Pflegeaufwand dar, wenn sie rechtzeitig erfolgen.

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