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Begrünung und Fassadengestaltung
mit individuell angeordneten GFK-Elementen
am Beispiel Jena-Lobeda
Die Verwendung von Glasfaser-Verbundwerkstoffen für die Fassadenbegrünung
ist inzwischen ein alter Hut. Seit mehr als 10 Jahren fertigt die Firma
Brandwein, Mechernich daraus die unterschiedlichsten Kletterhilfen, bekannt
als "Polygrün-die Rankbasis". Dabei handelt es sich um Kletterhilfen,
die auch spezialisiert als Rankhilfen und Rankgerüste in sehr variablen Formen und Abmessungen gefertigt werden.
Dieses Programm unterscheidet sich von anderen marktgängigen Angeboten
augenscheinlich durch die Einmaligkeit des Ergebnisses. Die individuelle
Bearbeitung jedes Projektes in Verbindung mit dem sehr vielseitig einsetzbaren
Material erlaubt situationsgerechte Maßanfertigung unter Umsetzung
verschiedenster Gestaltungsideen.
Die optimale Vereinbarung von Funktion und Gestaltung war von jeher besonderes
Anliegen dieses Herstellers. Fassadenbegrünungen - insbesondere solche mit Gerüstkletterpflanzen -
sind seines Erachtens architektonische Maßnahmen und erfordern entsprechenden
planerischen Umgang.
Fassadenbegrünung verspricht positive Wirkungen unter ökologischen
und psychologischen Aspekten. Diese kann sie nur erfüllen, wenn sie
dauerhaft funktioniert und in ansehnlichem Zustand bleibt.
Eine Wandbegrünung muss also mehr darstellen, als unkontrollierten Bewuchs
mit Efeu oder alles überwucherndem "Architektentrost"
(österreichisch für Fallopia aubertii; Knöterich).
Für Fassadenbegrünun gilt - und das leitet sich aus ihren Funktionen
her - ein hoher Anspruch an die "Baukultur" wie für jede andere Baumaßnahme.
Baukultur definiert PFOTENHAUER* als umfassenden Begriff für Qualität,
gestalterische und soziale Verantwortung und Zukunftsfähigkeit gegenwärtigen
Bauens in Angesicht einer Umwelt, die des achtsamen Umganges und des Schutzes
mehr denn je bedarf. Er betont, daß jeder direkt oder indirekt am
Bau beteiligte (u.a. Architekten, Bauherren Investoren, Banken, Baustoffindustrie,
Bürgerinitiativen und Politiker) für den Stand der Baukultur
verantwortlich sind.
Die Verbindung von Fassadenbegrünung und Baukultur erscheint dem Praktiker jedoch
auf den ersten Blick vermessen; vor allem unter Bezug zur Praxis von Ausführung
und Pflege.
Bisher war es doch eher üblich, Architektur und Grün als Gegensätze
anzusehen (vgl. o.a. Synonym "Architektentrost" oder G. MEWES,
"Weder Hütten noch Paläste...", Verlag Birkhäuser,
Berlin 1995). Noch immer meint Mancher: "Schlechte Architektur begrünt man eben, gute Architektur
hat das nicht nötig." Angeblich verbietet sich sich sogar die Begrünung
(sogenannter) "guter Architektur".
Bei dieser Einstellung darf man natürlich auch an das Resultat keine
hohen Erwartungen stellen! Ungewünschte Begrünung bleibt Flickschusterei!
Nur eine kleine Anzahl von Architekten und Bauherren setzt bisher Fassadenbegrünung
gezielt als architektonisches Mittel ein und erzielt entsprechend überzeugende
Ergebnisse.
Mitunter wird dagegen nur begrünt, weil es "in" ist, oder
eine Bauauflage dazu verpflichtet. Solchen Maßnahmen ist öfters
Desinteresse und/oder Inkompetenz von Planer und/oder Bauherren von Anfang an
anzusehen und die vorprogammierte Vernachlässigung lässt (wenn überhaupt) nur mäßige
Erfolge erwarten.
Dabei sind unter Einsatz einer gewissen Kreativität in jeder Situation
gute Fassadenbegrünungen möglich. Das gilt auch für weniger
günstige Standorte und für Fassadenkonstruktionen, die allgemein
als schlecht oder gar nicht begrünbar gelten. Die Optimierung einer
Fassadenbegrünung unter Eignungs- und Gestaltungsaspekten kann durchaus
zu kostengünstigen Lösungen führen; insbesondere unter Beachtung
der Dauerpflege.
Allerdings ist die hierzu notwendige Abstimmung von Gestaltungsidee, Fassadenkonstruktion,
Kletterstrategie des Bewuchses, erforderlicher Befestigung und Kosten relativ
zeitaufwendig.
Der Markt tendiert dennoch allgemein eher zu einfachen Lösungen, teilweise
unter Mißachtung wichtiger Eignungsaspekte (vgl. z.B. Vorwort der
"Richtlinie für die Planung, Ausführung und Pflege von Fassadenbegrünungen
mit Kletterpflanzen", FLL e.V. Troisdorf 1995).
Natürlich stehen Bauherren und Architekten besseren Vorschlägen
aufgeschlossen gegenüber, aber leider oft nur, solange diese nicht zu anfänglichen
Mehrkosten führen. Hochwertig Bedarfsgerechtes für den Preis von Minimalstandards anzubieten ist aber i.d.R. unmöglich. Dies gilt auch bei Einbeziehung von Folgekosten insbesondere, wenn
seitens einer Bauleitung keine (sinnvollen) Anforderungen definiert werden. Wer etwas " möglichst billig" haben will, sollte es sein lassen - wer Preiswertes haben will, muss den gewünschten Wert anfragen!
Aus dieser Situation entwickelte Brandwein Ende 1996 sein "Elemente-Programm".
Auf der einen Seite sollten die Variationsmöglichkeiten individueller
Fertigung möglichst erhalten bleiben, der Aufwand bei Planung und
Fertigung mußte dagegen drastisch sinken.
So entstand ein "Mattensystem" mit Feldweiten von 20 cm x 20
cm bis 40 cm x 60 cm, das auf einer einzigen fest installierten Form gefertigt
werden kann. Die Elemente sind bis etwa 600 x 140 cm groß und werden mit
mindestens zwei GFK-Rohren verstärkt. Elemente
mit übereinstimmenden Feldabmessungen lassen sich beliebig zu haushohen
Kletterhilfen zusammenstecken.
1997 kamen diese Polygrün Elemente erstmals zum Einsatz. Ein repräsentatives
Projekt waren Giebelbegrünungen, die im Auftrag der WG Carl-Zeiss
in Jena ausgeführt wurden.
Hierbei handelt es sich um sanierte "Plattenbauten" der WBS 70
mit nachträglich aufgebrachtem 80 mm dickem Vollwärmeschutz.
Man entschied sich für rohrverstärkte Elemente, die aufgrund
geringen Gewichtes und hoher Steifigkeit nur relativ geringen Befestigungsaufwand
erfordern.
Die Kletterhilfen dienen teilweise allein der Gestaltung von ansonsten
ungegliederten Giebelwänden. Hierzu werden sie bis in Höhen von
30 m angebracht und farblich deutlich vom Hintergrund abgesetzt. So wird
eine Struktrurierung der Fassade erreicht, ohne daß temperaturbedingte
Spannungsrisse zwischen hellen und dunklen Anstrichen auftreten.
Bei der Auswahl des Bewuchses orientierte man sich nicht an der Höhe
der Kletterhilfen. Der Bauherren berücksichtigte, daß auch vertikale
Begrünungen ein Minimum an Pflege benötigen und das Fassadenanstriche
gelegentlich der Renovierung bedürfen.
Die "oberirdische" Pflege der Kletterpflanzen besteht i.d.R.
aus Schnittmaßnahmen. Hierzu benötigt man einen Hubsteiger und
dieser wiederum Stellfläche. Bei allen Standorten dieses Projektes
muß hierfür eine Grünfläche beansprucht werden. Deshalb
kommt in diesem Fall nur die Arbeit von einer leichten Bühne aus in
Frage. Damit kann bis etwa 12 m Höhe operiert werden. Eine relativ
große Anzahl schlingender und rankender Arten erreicht etwa diese
Höhe. Ihrer Tiebstärke entsprechend wurde ein Wandabstand von
100mm bis 120 mm für die Kletterhilfern gewählt. Die Gitterweite
im Bereich des "Sollwachstums" beträgt 30 cm x 30 cm oder
40 cm x 40 cm, je nach vorgesehener Bepflanzung.
Erfahrungen:
Das Ziel, großflächig ungegliederte Giebelflächen
individuell zu gestalten und gleichzeitig eine beherrschbare Begrünung
durchzuführen, konnte in hervoorragender Weise erreicht werden.
Die Montagezeit lag je nach Größe zwischen ein und zwei Tagen
(2 Monteure), die Kosten der Kletterhilfen incl. der Befestigungsmittel
bewegten sich zwischen 5.000,- DM und 12.000 DM je Giebel.
Für den Hersteller sind Detailplanung und Kalkulation im Vergleich
zur Aufbereitung von Entwürfen wesentlich weniger Aufwand, insbesondere
da inzwischen alle Elemente per EDV erfaßt sind.
Es gibt trotz des Einsatzes standardisierter Formen keine identischen Ausführungen.
Allein unterschiedliche Feldweiten, Anordnungen und Umrißvariationen
der Elemente erlauben außerordentlich vielfältige Ergebnisse.
Die Resonanz ist außerordentlich positiv. Das Projekt findet sowohl
hohe Zustimmung der Mieter und Passanten als auch großes Interesse
bei Planern und Bauherren. Mehrere Folgemaßnahmen sind in Vorbereitung.
* Erhart Pfotenhauer (Dipl.-Ing. Architekt)
S.T.E.R.N. Gesellschaft der behutsamen Stadterneuerung m.b.H, Berlin
Referat zum 3. Deutschen Fassadentag(R), FVHF, Berlin 11.2.98
Kurzfassung
Polygrün-Elemente in der Praxis bewährt!
Individualität und Wirtschaftlichkeit vereinbaren...! Nach diesem Motto verfuhr die Firma Thorwald Brandwein mit
ihrer Entwicklung "Polygrün-ELemente". Bis Ende 1996 produzierte der Betrieb
ausschließlich individuelle Kletterhilfen zur Fassadenbegrünung aus
Glasfaser-Verbundwerkstoffen. Man stellte sich bevorzugt besonderen
Anforderungen an Technik und Gestaltung und verzichtete auf jegliche Standardisierung.
Daraus resultierte für jedes Projekt erheblicher Zeitaufwand für die Festlegung
von Details und natürlich auch hoher Kalkulations- und Fertigungsaufwand.
Steigende Nachfrage nach großflächigen, wirtschaftlichen Fassadenbegrünungen erforderte rationellere Lösungen, als für situativ angepasste Einzelstücke.
Dabei sollte nicht auf die gewohnte Qualität und auf möglichst wenig Individualität der Ergebnisse
verzichtet werden.
Daher wurde ein Stecksystem entwickelt, mit dem sich standardisierte
Gitterelemente in verschiedenen Abmessungen zu größeren Einheiten
unterschiedlich kombinieren lassen. Die verschiedenen Elemente weisen jeweils
pflanzengerechte Profilquerschnitte und Feldweiten auf.
Die Elemente können bis etwa 140 cm x 600 cm groß sein, und lassen sich aufgrund ihres
geringen Gewichtes spielend von einer Person handhaben. Sie sind mit quadratischer oder rechteckiger Aufteilungen lieferbar. Zusätzlich können Diagonalverstrebeungen zugefügt werden. Die Verbindung von Elementen erfolget mit Außen-,
bzw. Innenmuffen aus Stab oder Rohr.
Im Rahmen von Sanierungsmaßnahmen in Jena kamen diese Elemente erstmals in größerem
Umfang zum Einsatz. Sie dienen sowohl als Kletterhilfen für
schlingende und rankende Pflanzen, als auch der Fassadengestaltung.
Es wurden Giebelwände verschiedener Größe jeweils mit einer unverwechselbaren
Kombination von Kletterhilfen versehen. Die Montage auf den außen wärmegedämmten
Wänden (Plattenbauweise Typ WBS 70) ging problemlos und schnell von statten.
Das sehenswerte Resultat findet großen Zuspruch bei Mietern und Passanten.
Hinweis:
Bild oben ist leider als Foto (noch) nicht in druckfähiger Qualität
vorhanden.
Sehr schlechte Lichtverhältnisse bei Aufnahme erforderten Nachbearbeitung.
Weitere - und teilweise neuere - Bilder siehe Fassadenbegrünungen WG Carl Zeiss)
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