Eine grobe, aktuell nützliche Faustformel zur Eignung von Selbstklimmern für Fassadenbegrünungen könnte lauten:
"Nur harte, schwer ablösbare, vertikal zusätzlich belastbare sowie fugen- und rissfreie
Fassadenoberflächen sollten mit Selbstklimmern begrünt werden".
Dabei stellt haftscheibenbildender Wilder Wein geringere Anforderungen als haftwurzelbildende
Arten.
Gerüstkletterpflanzen
Die Gerüstkletterpflanzen unterscheidet man nach der Strategie ihres
Kletterns in Schlingpflanzen (umwinden), Rankpflanzen (bilden "Greiforgane" = Ranken) und Spreizklimmer spreizen und haken sich ein).
Aus diesen Klettertechniken resultieren jeweils prinzipielle Ansprüche an Gerüste,
die solche Kletterpflanzen zum Höhenwuchs - also zum Bewuchs von Bauwerken (Fassade,
Gartenelement usw.) benötigen. Man nennt diese Konstruktionen in Fachkreisen umfassend
Kletterhilfen. Die umgangssprachlichen Begriff "Rankhilfen", "Rankgitter"
und "Rankgerüst" gelten streng genommen nur für Kletterhilfen, die den speziellen
Anforderungen rankender Pflanzen gerecht werden. Entsprechend sollte z.B. ein Rankgitter aus Stäben gefertigt sein, die entsprechend der "aktiven Rankenlänge" ausreichend schlank sind und die Gitterweite sollte sich nach der Steifigkeit der Triebe von teilweise sehr filigranen Rankpflanzen (z.B. Clematis)richten.
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 Schlingpflanzen an flächiger Kletterhilfe
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Verwendung der Kletterpflanzen
Für die Fassadenbegrünung werden Kletterpflanzen in unterschiedlicher Weise eingesetzt.

Die jeweils zu bevorzugende Verwendung ist einerseits abhängig von bauseitigen Gegebenheiten,
andererseits vom Begrünungsmotiv. Als Zielvorstellung einer Fassadenbegrünung kommen vor allem
Gestaltungswünsche, angestrebte Schutzfunktionen (Wind, Sicht, Niederschlag, Strahlung,
auch Abwehr von Grafitti) und ökologische Wirkungen infrage. Eine gewisse Bedeutung als
Motivation zur Fassadenbegrünung hat auch der erhöhte Ertrag kletternder Nutzpflanzen.
Vor allem mittels Gerüstkletterpflanzen, deren Wuchs durch Kletterhilfen "gesteuert" werden kann, lassen sich verschiedene Begrünungsziele parallel erreichen. Das nachfolgende Bild zeigt die ursprünglich nichtssagende Fassade eines Siedlungshauses. Selbst über die eher kleinen Fenster heizten sich die dahinter liegenden Räume an Sommertagen erheblich auf. Die Verlängerung des Dachüberstandes durch einen Bewuchs mit Wein (wohlschmeckende Trauben) stellt eine wirkungsvolle und jahreszeitlich angepasste Verschattung (Raumkühlung) sowie eine optische Aufwertung der Fassade dar. Derartige Mehrfachfunktionen sind unabhängig von Gebäudegrößen realisierbar und stellen nur minimal höhere Anforderungen an die Pflege von Fassadenbegrünungen.
 U.a. Fassadengestaltung, Kühlhaltung von Wohnraum und attraktiver Obstanbau mit einer Kletterpflanze.
Der auskragende sommergrüne Bewuchs (Wein) verhindert nur in den Sommermonaten direkten Lichteinfall.
Ein weiteres Einsatzgebiet von Kletterpflanzen ist die Gartengestaltung. Hierzu werden
Kletterpflanzen entsprechend ihrer natürlichen Kletterform an Mauern oder unter Gehölze
gepflanzt oder an Klettergerüsten (Rankgerüste) gezogen. Über gebräuchliche ausdauernde
Kletterpflanzen informiere ich an anderer Stelle detaillierter - vgl.: Kletterpflanzen Übersicht.
In wärmeren Klimaten sind (u.a. auch speziell zur Verschattung)
Pergolen über Terassen, Balkonen und Dachfläche (Dachgärten) ein wichtiger Aspekt
der Fassaden- bzw. Hausbegrünung. (Siehe auch: Pergolen)
Allgemeine Anforderungen
Natürlich sind auch für Fassadenbegrünungen primär die Ansprüche der Pflanzen an Licht,
Boden und (Klein)Klima wichtig. Aber darüber hinaus müssen Klettertechnik und (eher technisch)
relevante artspezifische Eigenschaften, wie unter anderem Größe, Gewicht, Triebdurchmesser
und Wuchsorientierung der Gerüstkletterpflanzen zugunsten eines guten und dauerhaften
Begrünungsergebnisses berücksichtigt werden. Dies gilt sowohl für die Prüfung der Fassadeneignung als auch bei der Konstruktion von
Kletterhilfen.

Wuchsmerkmale und begrünbare Fassadenflächen - wichtige Kriterien für die Auswahl geeigneter Kletterplanzen und ggf. erforderlichen Kletterhilfen
Die Eignung bestimmter Kletterpflanzen zur primären Erzielung bauphysikalischer Wirkungen
ist unter anderem abhängig von der Belaubung. Immergrüner Fassadenbewuchs wirkt in der Regel
auf dauerbeschatteten und/oder niederschlagsexponierten Wänden sehr positiv, kann aber die
Energiebilanz sonnenexponierter Fassaden verschlechtern.
Jede Fassadenbegrünung benötigt ein gewisses Maß Pflege. Die Anwuchspflege der Pflanzen
geht in die Erhaltungspflege über, die in der Regel vor allem periodisch erforderliche
Schnittmaßnahmen, ggf. auch Verjüngung des Bewuchses umfasst. Dieser Pflegeaufwand kann durch geeignete Auswahl der
Kletterpflanzen und gegebenenfalls durch situationsgerecht angepasste Kletterhilfen
sehr deutlich reduziert werden.
Vorbehalte gegenüber Fassadenbegrünung
Gegner von Fassadenbegrünungen argumentieren bevorzugt mit folgenden angeblichen Nachteilen:
- Putz und Mauerwerk nehmen Schaden
- Laubfall macht Arbeit
- Insekten, Spinnen und Nagetiere gelangen in das Gebäude
Mit solchen "Pauschalargumenten" disqualifizieren sich die Begrünungsgegner als "Leute
mit ganz viel keine Ahnung".
Schäden am Bauwerk sind zuverlässig vermeidbar. Ihr gelegentliches Auftreten in der
Praxis kennzeichnet daher Inkompetenz oder/und Leichtsinn der Verantwortlichen, manchmal auch
ihre z.B altersbedingte Überforderung bei eigenhändig auszuführendem Rückschnitt der Pflanzen.
Dass Insekten (und andere Tiere) nur bedingt ein Zuhause in einer Fassadenbegrünung finden und diese
nicht als Sprungbrett ins Gebäude nutzen, ist nicht nur eine Erfahrung, sondern auch wissenschaftlich nachweisbar. (Quelle u.a.:
Manfred Köhler, Georg Barth, Thorwald Brandwein; "Fassadenbegrünung und
Dachbegrünung"; Eugen Ulmer, Stuttgart 1993, ISBN 3-8001-5064-6).
In der Praxis erweist sich, dass es im begrünten Haus nicht mehr und nicht weniger
Ungeziefer gibt, als im unbegrünten. Für in diesem Zusammenhang erwähnenswert
erachte ich einen Sommerbesuch in einer efeubewachsenen Wasserburg. Trotz breitem sumpfigem
Wassergraben gab es in den Räumen auch bei offenen Fenstern noch nicht einmal mehr Mücken oder Schnaken als anderswo üblich...
Zum Rest solcher angeblichen Argumente kann ich nur feststellen, dass sie teilweise längst widerlegt
sind und zum anderen Teil, dass es nichts gibt, was nicht irgendwie und irgendwann einmal Arbeit
macht, bzw. Aufwand erfordert.
Wer also einerseits die Vorzüge des Stadtlebens genießen möchte, andererseits aber über fehlendes
Grün klagt, muss sich auch dazu sagen lassen, dass es Verbesserungen nicht ohne gewisse Anstrengungen gibt!
Aber - ...vom Nutzen der Vorbehalte und gelegentlicher Fehler!
Erfreulicherweise wird nicht nur inkompetent und pauschal gegen Fassadenbegrünung
argumentiert, sondern auch sachkundig und konkret über Datails diskutiert. Angebrachte Kritik an speziellen Wirkungen
führt i.d.R. zu genaueren Analysen und zur Entwickling von Verfahren mit denen Nachteile vermieden oder prinzipelle Mängel abgestellt werden können.
Häufig ist
zur Mängelvermeidung "nur" die Berücksichtigung längst vorliegender
Analyseergebnisse (Kenntnisse) nötig. Diese sind einerseits öffentlich zu machen,
andererseits aber auch konsequent angemessen umzusetzen!
Das aktuelle Informationsangebot erscheint mir jedoch teilweise noch "ausbaufähig" (teilweise stark überarbeitungsbedürftig)
und wird m.E. immer noch oft zu sehr durch Werbung für Fassadenbegrünung an sich und/oder zunehmend für spezielle Produkte (z.B. "Ranksysteme") geprägt.
Kritik am Informationsangebot ist m.E. vor allem hinsichtlich der Darstellung von Eignungsaspekten
diverser Kletterhilfen angebracht. Einerseits stellt die Mehrheit der Hersteller gerne ihre Produkte fälschlicherweise als universaltauglich dar, andererseits beruhen manche Ausführungsempfehlungen für angeblich preiswerte Fassadenbegrünungen wohl auf Fehleinschätzung (Verniedlichung) der Anforderungen.
Manche praktische Empfehlung aus Literatur und "Flyern" verdient daher eher Spott als Beachtung:
Beispiel: Konstruktionsempfehlung für meist unzulängliche Rankgitter:

Solche Bauanleitungen für Kletterhilfen gibt es wirklich...- immer weider auch ohne
jeden Hinweis darauf, für welche Kletterpflanzen so etwas geeignet sein soll.... |

Das Ergebis taugt noch einmal richtig zum Einhängen von Kleiderbügeln...
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Es verwundert angesichts solcher "Informationen" (selbst neueste populäre Literatur setzt dies in Worten und insbesondere Bildern fort) nicht, dass immer wieder Maßnahmen scheitern, weil durch die Wahl unzuläglicher Kletterhilfen und/oder unpassender Bepflanzung Begrünungen zustande kommen, die nur bei besonders intensiver Pflege Bestand haben können. In der Praxis zeigt sich, dass intensive Pflege die Initiatoren längerfristig überfordert - insbesondere wenn Wuchshöhen über etwa 3 m vorliegen.

Lächerlich unangemessene Voraussetzungen führen zu traurigen Ergebnissen!
Aktuelle Informationsmöglichkeiten zu Ausführungsfragen
Leider kann ich kein neueres Sachbuch, das mit "Fassadenbegrünung" (o.ä.) betitelt ist, ohne Vorbehalt empfehlen. Ab etwa 2000
bauen die Beiträge zum Aspekt "Lasten" (Gewichte, Schnee und Eis, Wind, pflanzenverursachte Kräfte wie Auslenkung und Zwängung aufgrund sekundärem Dickenwuchs) im Wesentlichen auf
meine Arbeiten auf - und werden für mich zum (mal mehr mal weniger großen) Ärgernis....
Weshalb sollte ich "Nachgeplappertes", selektiv Abgeschriebenes und unvollständige
(verfälschende) Darstellungen empfehlen? Was soll man z.B. von der Kompetenz einer Autorin halten, die 2004 behauptet, Glasfaserverbundwerkstoffe gäbe es erst seit 15 Jahren, also bestünden keine Langzeiterfahrungen und man könne sie hinsichtlich Biegesteifigkeit mit Seilen vergleichen?
Mein Rat - lesen sie zu diesen Fragen erst mal die Originale, die unter meinem Namen veröffentlicht sind! (Diese Webseite enthält Zusammenfassungen, siehe u.a. voranstehende Links.)
Aktuell (Stand 11.08) möchte ich Sie auch auf meine Vorträge zum "Stand der Fassadenbegrünung 2008" (GIARDINI VERTICALI, Parma, Mai 08) und "Typische Mängel und Schädend an begrünten Fassaden" (1. FBB-Symposium Fassadenbegrünung, Remscheid, November 08) hinweisen.
Neue Medien - Internet
Das Internet ist mehr als eine Werbeplattform! Wer hier gute Informationsangebote sucht, wird auch
hinsichtlich Fassadenbegrünung fündig. Der Nutzer muss allerdings schon sowiel Kenntnisse (und Gründlichkeit) mitbringen, dass er Werbeaussagen von Fakten unterscheiden kann. (Aber das muss der Sachbuchleser ebenfalls häufig beherrschen...)
Ich bemühe mich - u.a. weil man über Printmedien längst nur wenige Interessenten wirklich erreicht - um einen objektiven, informativen und inhaltlich richtigen Internetauftritt.
Foren, Newsgroups und häufig gestellte Fragen
Ergänzend zum Lesen bietet sich heutzutage - u.a. in thematisch sortierten Diskussionsforen - jedermann die
Möglichkeit eine Vielzahl Anderer öffentlich um Rat zu fragen und Erfahrungen auszutauschen.
(Eine Auswahl solcher Foren rund um Haus, Bauen und Garten finden sie hier.)
Verfolgt man dort geführte Diskussionen, lassen sich zu jedem Sachgebiet sogenannte FAQ (regelmäßig auftretende Fragen) extrahieren.
Die FAQ zur Fassadenbegrünung zeigen, welche Probleme vor
allem private Hausbesitzer tatsächlich mit Fassadenbegrünung haben.
Vgl. FAQ zur Fassadenbegrünung
Es zeigt sich, dass in diesem Bereich der Praxis Probleme mit "Inschachhaltung" und (teilweisen) Entfernung
von Selbstklimmern dominieren. Solche Fälle sind übrigens häufig Folge einer Öffentlichkeitsarbeit, die eher
motivieren als informieren will und daher Kosten von Fassadenbegrünungen und/oder Pflegeaufwand (von Selbstklimmern)
häufig als unerheblich darstellt.
Nebenbei: Man liest oder hört nirgendwo etwas von tatsächlichen Problemen mit Ungeziefer durch Fassadenbegrünung.
Mängel und Mängelvermeidung
Schwierigkeiten mit Gerüstkletterpflanzen sind in den WWW-Foren seltener vertreten. Hier dominieren Fragen zum sachgerechten Schnitt einiger Arten (Clematis, Weinrebe, Blauregen), Standortfragen und Schwierigkeiten mit Krankheiten und Schädlingen. Erst mit einigem Abstand
folgen Fragen zum Bau oder zur Sanierung von Kletterhilfen. Hier wird wohl meist direkt gewerkelt und Mängel an Selbstbauten werden i.d.R. durch Pflege (Schnitt und Leitung der Pflanzen) kompensiert.
Über Probleme an und mit professionellen Fassadenbegrünungen (i.d.R. größere und höhere Maßnahmen)
gibt es kaum öffentliche Quellen. Daraus darf jedoch nicht gefolgert werden, dass solche nicht
existieren. Sie bleiben nur weitgehend unbekannt, weil entweder Fachleute zur Lösung hinzugezogen
werden, oder die Begrünung kurzerhand entfernt wird.
In diesem Bereich dominieren nach meinen Erfahrungen Schwierigkeiten mit Kletterhilfen und deren
Befestigung, wobei die häufige Unterlassung jeglicher Schnittmaßnahmen zwar oft ursächlich ist,
aber nicht alleine als Erklärung herangezogen werden kann. Z.B. lassen sich gelockerte Halter einer Drahtseilkonstruktion
vor einer Fassade mit WDVS nach nur zwei Jahren Standzeit (Klinikgebäude Heidelberg) nicht mit
mangelnder Pflege erklären. So etwas kennzeichnet konstruktive Mängel der gewählten Ausführung oder schlimmen Pfusch beim Einbau. Bei Fassadenbegrünungen mit professionellen Kletterhilfen erweisen sich Drahtseilkonstruktionen sowohl hinsichtlich Mängel- und Schadenshäufigkeit, als auch hinsichtlich der Instandsetzungenkosten als auffällig. Offenbar wird in der Praxis an der teuren Spanntechnik zu häufig unangemessen gespart, was zur Überlastung der üblichen Minimalkonstruktionen (Einzelseile) führt. Das betrifft keineswegs nur offensichtlich primitive Seilbefestigungen wie rechts abgebildet.
Ebenfalls auffällig häufig sind dickenwuchsbedingte Mängel und Schäden in Verbindung mit viel zu
engen Rankgittern, Rankbalken und Schutzkörben. Vor allem wenn deren enge Feldweiten jeden Pflanzenschnitt behindern, sind zukünftige Schäden auch bei schlankwüchsigen (dünntiebigen) Kletterpflanzen, z.B. Knöterich, absehbar.
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 Überlastete Seilbefestigungen, hier Gerüstschrauben in Beton
 Pflanzenschutzgitter -
Deformation und Absprengung
durch Dickenwuchs
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Mängel und Schäden wie vorstehend beschrieben sind solange von eher untergeordneter Bedeutung, wie sie nur leicht austauschbare "Anhängsel" eines Bauwerkes betreffen. Das ist bei massiven Außenwänden (Fotos) häufig der Fall aber bei mehrschichtigen Wandaufbauten mit gering belastbarer "Außenhaut" fast ausgeschlossen. Die gezeigten Deformationen würden Wärmedämmverbundsysteme und vorgehängt hinterlüftete Fassaden empfindlich beeinträchtigen und würden wohl auch bei vorgeständerten Mauerwerken (Verklinkerungen) mindestens zu Rissbildung führen.
Aus der konkreten Analyse von Negativwirkungen in Verbindung mit
Fassadenbegrünung ergeben sich nicht nur tiefere theoretische Kenntnisse, sondern auch Chancen zur Verbesserung von Ausführungstechniken, damit spezielle Anforderungen
künftig zuverlässiger erfüllt werden. In Einzelfällen können
technische Verbesserungen auch projektbezogen zur erfolgreichen Sanierung beitragen.
(Vgl. Bericht zur Bestandssicherung....)
Hinsichtlich der richtigen Pflanzenverwendung und der Entwicklung guter Kletterhilfen hat die professionelle Fassadenbegrünung innerhalb der letzten 25 Jahre erhebliche Fortschritte gemacht. Die Techniken zur Fassadenbegrünung erfüllen heute (bei richtigem
Einsatz und angepasster Bepflanzung) hohe Anforderungen auch unter den teilweise erschwerten
Bedingungen moderner Außenwandbauweisen und wachsender Dimensionen der Fassadenbegrünungen.
Heute sind die Anwender und Planer gefordert, ihre gewohnten Begrünungskonzepte zu überdenken und Alternativen zu prüfen. Insbesondere ist es erforderlich, dass die Empfehlungen der o.a. Richtlinie hinsichtlich Ausführung von Kletterhilfen und Wandabstand mehr Beachtung finden. Speziell die Aufleitung sehr wüchsiger Kletterpflanzen an Einzelprofilen (Stange oder Seil) sollte unterlassen werden. Sie ist zwar "billig", macht aber Verjüngung des Bewuchses weitgehend unmöglich und ist häufig unter statischen Aspekten kritisch. Das gilt besonders bei Bewuchs mit sehr wüchsigen windenden Kletterpflanzen.
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Kletterhilfe aus GFK für schweren,
schlingenden Bewuchs mit Verankerung
im Tragwerk hinter Vorhangschale aus
Beton. ("Plattenbau")
Wandabstand variabel von 185 bis 220 mm
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Vertiefende Literaturempfehlungen:
Fassadenbegrünung -
ein Beitrag zu Risiken,
Schäden u. präventiver
Schadensverhütung Althaus, Christoph,
1987 Patzer-Verlag, München
ISBN 3-87617-070-2 |
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Hof-, Fassaden- und Dachbegrünung
zentraler Baustein der Stadtökologie - zwölfjährige Erfahrungen mit einer Begrünungsutopie.
Köhler, Manfred. - Berlin : Techn. Univ., Univ.-Bibl., Abt. Publ., 1997 |
Einige weitere Bücher (m,E. teilweise nur [noch] eingeschränkt empfehlenswert):
- Das begrünte Haus - Bedeutung u. konstruktive Hinweise
FLL - Karlsruhe; Mueller, 1983
- Grüner Wohnen - Gebäudebegrünung, eine Notwendigkeit
Ohlwein, Klaus - Köln; Mueller, 1984
- Hausbegrünung - Kletterpflanzen am Haus und im Garten
Guttmann, Rainer - Stuttgart; Franckh´sche Verlagshandlung, 1985
- Begruente Architektur - Bauen u. Gestalten mit Kletterpflanzen
Baumann, Rudi - Muenchen; Callwey, 1985
- Häuser mit grünem Pelz - ein Handbuch zur Hausbegrünung
Minke, Gernot. - Frankfurt/Main; Ed. Fricke, 1985
- Rank-Raum - filigrane grüne Architektursysteme
Becsei, Stephan - Köln; R. Müller, 1986
- Unternehmen Grün - Ideen, Konzepte, Beispiele für mehr Natur in der Arbeitswelt
Grub, Hermann - München; Callwey, 1990
- Fassaden begrünen - Ratgeber für Gestaltung, Ausführung und Pflanzenwahl
Finke, Cerstin und Osterhoff, Julia - Taunisstein; Blottner 2001
- Fassadenbegrünung - Kletterpflanzen und Klettergerüste;
Gunkel, Rita - Stuttgart (Hohenheim); Ulmer, 2004
- Vertikale Gärten - Die Natur in der Stadt
Blanc, Patrick - Stuttgart (Hohenheim); Ulmer, 2006
- Vertikale Gärten
Lambertini, Anna - München; DVA Architektur, 2009
Forschungsbedarf Fassadenbegrünung
Wer sich etwas aktuell differenzierter mit Fassadenbegrünung befasst,
stößt früher oder später auf bisher ungeklärte Fragen.Diese betreffen einerseits statische Aspekte, andererseits den Nutzwert von Fassadenbegrünungen.
Beide Fragenkomplexe sind durch die Kostenaspekte miteinander verknüpft:
"Vor dem Hintergrund zahlreicher technisch unzureichender Konzeptionen
von Fassadenbegrünung muss parallel hierzu an der Entwicklung einfach anzulegender, sicherer, kostengünstiger und zugleich variabler Standardlösungen - unter Berücksichtigung
des langfristigen Pflegeaufwandes - gearbeitet werden. Denn in dem Maße, wie gelungenen Begrünungen
ein Multiplikatorwert zukommt, können misslungene Maßnahmen Fassadenbegrünung in Misskredit
bringen."
(Aus: Tobias Chilla, Annette Bardo, Manfred Thönnessen und Ulrich Radtke; "Ich dachte, das Thema ist durch ?"; Ein Beitrag der Forschungsgruppe Fassadenbegrünung,
Universität zu Köln - Geographisches Institut zur Frage: "Kann Fassadenbegrünung ein sinnvolles
Instrument nachhaltiger Stadtentwicklung
darstellen?" http://uk-online.uni-koeln.de/remarks/d176/rm568.pdf.
Als vom potenziellen ökonomischen und ökologischen Nutzen der Fassadenbegrünung überzeugter Praktiker setze ich persönlich auf die Optimierung der Techniken zur Fassadenbegrünung und damit auf Klärung
aller aktueller Fragen rund um statische Aspekte.
Diese werden mir in der Praxis auch von vorsichtigen Baufachleuten oder von Statikern gestellt, die Projekte auf Durchführbarkeit prüfen, oder für uns Fassadenbegrüner
Bauteile dimensionieren.
Sie möchten z.B. wissen, wie schwer eine Pflanze wird, welche Windlasten
aus dem Bewuchs resultieren, oder in welchem Maße andere Lasteinflüsse
von einem Fassadenbewuchs ausgehen.
Manche Begrünungsenthusiasten finden solche Fragen einfach nur "kontraproduktiv" aber:
(Ver)Trügen deren Häuser eine 230 Tonnen schwere Begrünung?
Sicherlich nicht!
Die provokante Frage schöpft ihre Berechtigung aus der realen Existenz eines Exemplars
einer auch in Europa sehr häufig zur Fassadenbegrünung eingesetzten Kletterpflanzenart,
dessen Eigengewicht auf etwa diesen Wert geschätzt wird. (Vgl. Wisteria sinensis)
Sicherlich dürfen wir den Normalfall nicht an Rekorden oder Extremen messen,
aber genauso dürfen wir statische Aspekte des Normalfalles auch bei Fassadenbegrünungen
nicht aus Bequemlichkeit oder Sparwut als prinzipiell unerheblich ansehen.
Aktuelle Fragen in diesem Zusammenhang lassen sich trotz noch ausstehender
wissenschaftlicher Erkenntisse
heute soweit beantworten, daß Begrünungsmaßnahmen sicher
ausgeführt werden können. Bestehenden Unsicherheiten muß
jedoch bis zur endgültigen Klärung durch Sicherheitszuschläge
Rechnung getragen werden. Je geringer die Kenntnis der Einflußgröße
ist, desto höher muß diese Sicherheit gewählt werden. Unter
Umständen wird ein Projekt deshalb unangemessen überdimensioniert und
damit teurer als wirklich notwendig.
Das Gegenteil - Unterschätzung der Lasten, bzw. unterdimensionierte Kletterhilfen - ist allerdings praxisüblicher. Dabei entstehen öfters teuer zu behebende Fassadenschäden in deren
Folge die angeblich ursächlichen Fassadenbegrünungen meist entfernt werden.
Durch leichtfertig vorgenommene Wandbegrünungen oder Fassadenbegrünungen mittels unterdimensionierter Kletterhilfen entstehen nicht nur ökonomische Schäden, sondern auch neue Vorbehalte gegen diese Form
der Hausbegrünung. Verzicht auf Fassadenbegrünung bedeutet jedoch immer auch einen gewissen Verlust
an Wohn- und/oder Lebensqualität.
Ehe notwendige Forschungen zu den statischen Aspekten der Fassaden- und Mauerbegrünung angelaufen sind und zu aussagekräftigen Ergebnissen führen, vergehen etliche weitere Jahre. Bis dahin ist man bei Pflanzenauswahl und Dimensionierung von Kletterhilfen (sog. Rankgerüsten) auf Schätzungen der jeweiligen Lasten angewiesen.
Hierzu habe ich ein Modell entwickelt und online kostenlos verfügbar gemacht. Die Grundlagen dieses Modelles beschreibe ich hier ausführlich.
Es dient zur Ermittlung der Maximalgewichte von Pflanzen und Niederschlägen und
Abschätzung der Windlasten. Hier gelangen Sie über eine kurzgefasste Erläuterung zu unserer darauf basierenden Online-Gewichtsermittlung für Kletterpflanzen.
Bisher völlig unquantifiziert sind jedoch Kräfte die Kletterpflanzen selbst entwickeln
- manche mehr (unkalkulierbar stark), andere weniger (unerheblich). Dabei gibt es scheinbar
keinen offensichtlichen Zusammenhang mit offensichtlichen Merkmalen, wie z.B. dem Triebdurchmesser.
Dieser einer Kletterpflanze stellt selbstverständlich eine wichtige Einflussgröße dar, aber die Wirkung ist sicherlich auch
von der artspezifischen Holzstruktur abhängig. Diese beeinflusst die Wirkung des Dickenwuchses.
Durch den Dickenwuchs der Kletterpflanzen kann es offensichtlich zu Zwängungen
(=Druckspannungen) und Deformationen an Gebäudeteilen und/oder Kletterhilfen
kommen. Zerquetschte Regenfallrohre - Folge dilletantischer Begrünungsversuche
- sind eine augenscheinliche und häufige Wirkung dieser Kräfte, zu
denen bisher keine Angaben gemacht werden können. Solange ihre Dimensionen
unbekannt sind, müssen ggf. resultierende Schäden durch Sicherstellung
von Kontrolle und Pflege ausgeschlossen werden. Allgemein empfehle ich, alle am Bauwerk eingezwängten Triebe wurzelseitig zu trennen und - sofern noch möglich- zu entfernen, auch wenn sie sich durch Abplattung scheinbar der Enge anpassen. Diese Abplattung ist kein verlässliches Indiz dafür, dass kein Druck ausgeübt wird, sondern belegt diesen eher.
Auch Ihre Beobachtungen und Erfahrungen sind gefragt!
Die Begrünung von tragenden Mauerwerken und Beton ist i.d.R. - vor allem unter statischen Aspekten - völlig unproblematisch. Das gilt aber nicht für mehrschichtige Außenwandkonstruktionen (WDVS, VHF usw.) Inzwischen sind daher Forschungsprojekte zu allen o.a. statischen Fragen in Vorbereitung (u.a. Uni Essen, Uni Köln). Zwar ist bisher viel mehr guter Wille, als Geld vorhanden, aber villeicht klappt es ja mal mit einer Finanzierung....
Sie können diese Arbeiten evtl. unterstützen.
Gesucht werden (für den Tag X) geeignete Begrünungen (Altbestände aller Art), die repräsentative Messungen erlauben, z.B.:
– Kletterpflanzen, die entfernt werden müssen, zum Vermessen und Wiegen
– Kletterpflanzen an abnehmbaren (Spann)Konstruktionen zur Ermittlung von Gewichten,
Spannungen und evtl. Windlasten
– Kletterpflanzen die befestigte Konstruktionen (z.B. Kletterhilfen, Balkongeländer o.ä.)
deformieren oder schwere Bauteile anheben oder verschieben.
Für den letzten Fall sind Situationen, aus denen sich die wirkenden
Kräfte ermitteln lassen, besonders interessant. Das z.B. der Fall, wenn Stahlprofile mit bekannten Abmessungen (möglichst) messbar verbogen werden.
Darüber hinaus interessieren mich (und andere Spezialisten) alle
Beobachtungen, die Aufschluß über Vor- und Nachteile bestimmter
Ausführungen von Fassadenbegrünung unter repräsentativen
Bedingungen geben.

Fassadenbegrünung - Beispiel für Zwängung
Aufgrund Dickenwuchs größer als die vorhandenen Abstände kommt es zu Deformationen des soliden Geländers aus massiven Stahlprofilen (senkrecht Rundstäbe D = 16 mm, waagerecht Vierkant 20 mm x 20 mm, oben als Handlauf zusätzlich Flachstahl 50 mm x 10 mm)

Fassadenbegrünung - Schadensbeispiele
Durch Dickenwuchs und Belastung sprengt diese Wisteria eine Mauer
Die beiden hier abgebildeten Beispiele sind nicht sonderlich ungwöhnlich, aber leider auch nicht sehr hilfreich zur Ermittlung der wirkenden Kräfte. Das Geländer im oberen Bild hat sich irgendwann aus seiner Verankerung an der Ecke rechts gelöst und über die Festigkeit der Mauer im unteren Bild kann auch nur spekuliert werden.....
Setzen Sie sich bitte mit mir in Verbindung, wenn Sie entsprechende, möglichst besser auswertbare Beispiele kennen oder Sie zu dieser Thematik über weitere Informationen verfügen.
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(Bildverweise zu weiteren Informationen über Bauwerksbegrünung;
Schwerpunkt Fassadenbegrünung)
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