| Beispiel 8 |
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"Auswahl der Kletterhilfenstruktur unter Vernachlässig oder Fehlbeurteilung der Kletterstrategie der Bepflanzung (zu licht, zu eng, ungeeignete Profilrichtung und/oder Profilquerschnitte)"

Foto 8 - Kletterhilfen, die keine sind... "Aber sie (hier Wisteria) klettert doch!
Hierzu nur ein Foto mit kurzem Kommentar.... Gerüstkletterpflanzen, die irgendwie an irgendwas klettern "belegen" scheinbar, dass spezielle Kletterhilfen überflüssig sind... Statt diesem Foto hätte ich auch hunderte Regenfallrohre, Carports und angebliche Pergolen zeigen können. Außerdem haben sie von mir ja schon einiges ähnliches gesehen -bisher allerdings unter dem Aspekt "Falsche Kletterpflanzen für vorhandene/gewünschte Kletterhilfen". Umgekehrt - also "falsche Kletterhilfen für vorhandene oder gewünschte Kletterpflanzen kommt natürlich das gleiche, schlechte Ergebnis heraus.
Leider "funktionieren" zahlreiche solche unreflektierten Ausführungen doch irgendwie - zumindest erscheint es öfters zeitweise so. Daraus leiten oberflächlioh handelnde "Begrünungsinitiatoren" dann gerne ab, dass es "schon irgendwie funktionieren wird...zur Not muss man eben ein paar Abstriche machen - Hauptsache es kostet möglichst nichts."
So bleiben denn auch die inzwischen sehr zahlreichen Literaturstellen*, die prinzipiellen Konstruktionsempfehlungen der FLL-Richtlinie zur Fassadenbegrünung* und erst recht jederzeit kostenlos erhältliche (meist gute) Herstellerinformationen in der Praxis fast unbeachtet - wenn nicht gar ungeglaubt!
Sie verdienen mehr Interesse, aber weil sie gut ausgearbeitet und verfügbar sind, muss ich an dieser Stelle nichts dazu ausführen.
Apropos Abstriche:
Kennen sie die neue Pergola in Wien am Praterstern? Der Architekt Boris Podrecca wollte mit einer durch Kletterpflanzen begrünten Stahlkonstruktion um das Tegethoff-Standbild u.a. einen optischen Übergang vom neuen Bahnhofsvorplatz (Beton und Glas) zum (grünen) Prater schaffen. Das dazu errichtete Stahlgerüst hat alleine die Kleinigkeit von 850.000 Euro gekostet - danach wollte sich die Stadt Wien keine Pflanzen für die Begrünung mehr leisten. Die wären angeblich wegen der Fundamente zu teuer geworden...
Wer diese Pergola mal zu sehen bekommt, wird feststellen, dass man daran vielleicht ein Schwebebähnchen aufhängen kann. Als Gerüst (Kletterhilfe) für Kletterpflanzen taugt sie überhaupt nichts. Ehe an der aktuell vorhandenen Konstruktion eine Kletterpflanze verlässlich Halt findet, weiden Büffel auf Ziegeldächern... Die Struktur ist - schlimmer als die der auf dem aktuellen Foto sichtbaren Stütze - absolut unzweckmäßig.
Ich erzähle den Fall, weil er irgendwie zur Praxis der Fassadenbegrünung passt: Man schafft eine moderne Betonwüste zur Entwicklung einer urbanen Qualität, verspricht dazu auch ein wenig Grün, setzt dazu für fast eine Millionen Euro Stahl sinnlos in Beton und dann bleibt (aufgrund "nicht vorhersehbarerer" Kosten) die Begrünung auf der Stecke. Eventuell "zicken" deswegen zu Wahlkampfzeiten noch ein paar Grüne etwas herum, aber die beruhigen sich erfahrungsgemäß erstaunlich schnell...
Solche Beispiele bestätigen meinen Verdacht, dass Mängel an der Pflanzeneignung von Kletterhilfen einen Großteil jener Fehlinvestitionen bewirken, die im Zusammenhang mit Fassadenbegrünung, bzw. Gestaltung mit Kletterpflanzen getätigt werden. Abgesehen von den vielen kleinen "Verdrussanlässen" die aus der Wahl ungeeigneter Kletterhilfen resultieren, werden vermutlich mit ein paar fehlentwickelten Prestigeprojekten mehr Werte und (u.a. stadtökologische) Potenziale vernichtet, als alle spezialisierten Fassadenbegrüner in Deutschland zusammen erarbeiten können, bzw. "dürfen"!
Dabei ist es geradezu erbärmlich, dass in den seltensten Fällen Fachkompetenz "zugekauft" wird, um begangene Fehler zu mindern oder wenigstens bei ähnlichen Projekten künftig zu vermeiden....
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