"Mangelnde Sorgfalt bei der Entflechtung und Neuordnung der Triebe von Kletterpflanzen, insbesondere Schling- und Rankpflanzen"
Sie kennen alle die typische Pflanzempfehlung: "Kletterpflanze am Stöckchen schräg zur Wand eingraben, wässern usw... - und gut ist!"
Praxisübliche und vielfach empfohlene Pflanzweise von Kletterpflanzen. In diesem Fall (diverse Clematis-Hybriden) ist die Ausführung tolerierbar, da diese Sorten i.d.R. aus dem Boden nachtreiben. Die Folgen der Pflanzweise (ein schlecht zu überrankender Überhang in geringer Höhe und meist schlechte Verteilung des Bewuchses in der Breite) können hier in den kommenden Jahren zugunsten eines gleichmäßigeren, flächigen Wuchses korrigiert werden. Bei vielen anderen ausdauernden Arten ist dies aber sehr viel weniger der Fall. Leider zeigt sich in der Praxis immer wieder, dass ein Vertrauen auf künftige Korrekturen - insbesondere im Umfeld gewerblicher Bauten - selten (nie?) gerechtfertigt ist. Auch zum Thema Pflanzung wieder eine bessere Variante, an der man aber auch noch Kritik üben kann und sollte... Die beiden Schlingpflanzen (Lonicera-Arten) sind bis zum Wurzelhals entflochten und mit einiger Sorgfalt entlang verrottender Schnüre der höher hängenden Kletterhilfe so zugeführt, dass eine möglichst gleichmäßige Verteilung der Leittriebe auf deren Vertikalachsen vorgegeben ist. Als untere Fixpunkte für die temporäre Schnurverspannung dienen Holzpflöcke, die vor der Pflanzung eingeschlagen wurden. Die Verwendung größerer Pflanzen wäre insofern vorteilhaft, dass auf eine Aufleitung zur Kletterhilfe komplett verzichtet werden kann. Dem stünde allerdings nachteilig gegenüber, dass deren Entflechtung, bzw. Entwirrung erheblich zeitaufwändiger ist und in zahlreichen Fällen auch nicht mehr ohne Beschädigung möglich ist. Ragt eine ältere, bzw. größere Pflanze von unten her weit in eine Kletterhilfe hinein, dann ist es - insbesondere bei schlingenden Pflanzen - häufig nicht möglich, diese artgerecht (also entsprechend ihrer Kletterstrategie) an der Kletterhiilfe zu befestigen. Der Gärtner muss im Einzelfall entscheiden, ob er Triebe einflicht, aufbindet oder einkürzt. Bei allen Kletterpflanzen, die potenziell größere Triebdicken erreichen, sollte auf Einflechten zugunsten vorderseitigem Aufbinden verzichtet werden. Zur Vermeidung dickenwuchsbedingter Spannungen zwischen Wurzelhals (Boden) und Kletterhilfe empfehle ich, solche Kletterpflanzen unterhalb der Kletterhilfe kurvig (in Bogen- oder S-Form) zu leiten. Das ist preiswerter und effektiver als alle möglichen Verfahren zur Entlastung oder Spannungsregelung durch Klemmen oder auch Sollbruchstellen, die teilweise ohnehin nicht funktionieren. Anlass zur Kritik der im Foto gezeigten Ausführung ergibt sich aus der potenziellen Überpflanzung aufgrund bauamtlicher Vorgaben - eine Schlingpflanze ist meist völlig ausreichend für eine Kletterhilfe mit weniger als 2 m Breite. Diese sollte allerdings mindestens drei vertikal aufleitende Achsen (Stäbe, Seile) aufweisen. Überpflanzung bewirkt nur zusätzlichen Pflegeaufwand in Form langwierigerer Schnittmaßnahmen, bzw. fördert einen Zustand wie vorhin mit Foto 5 (Kombinationen von Kletterpflanzen) dargestellt. |
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