| Beispiel 5 |
 |
"Auswahl ungeeigneter Kombinationen verschiedener Kletterpflanzen auf einer gemeinsam bewachsenen Fläche/Kletterhilfe"

Foto 5a - Schwierige Kombinationen von Kletterpflanzen - hier Schlinger und Rankpflanze (Aufkahlung; kein Winterbild)
Die Kombination verschiedener Pflanzen in einander ergänzender Weise ist ein Aspekt der Gartenkunst und findet somit auch unter den Liebhabern von Kletterpflanzen zahlreiche Freunde.
Allerdings ist die Kunst in diesem Fall nur eingeschränkt praxistauglich, da Kletterpflanzen sich untereinander keineswegs ergänzen, sondern "rücksichtslos" - oberirdisch vor allem um Licht und Halt - konkurrieren. Die wuchsstärkere Kletterpflanze siegt und begräbt die unterlegene unter ihrem Laub. Im abgebildeten Beispiel gewann Clematis montana (blattstielrankend) - wie vorauszusehen - den Kampf ums Licht gegenüber einer Geißblatt-Art (schlingend). Kletterpflanzenkombinationen unter Beteiligung schlingender Pflanzen führen sehr schnell zu einem kaum noch auflösbarem Gewirr (Foto 5a) dessen gärtnerische Pflege sehr oft praktisch unterbleibt, da sie aufgrund notwendiger Häufigkeit i.d.R. "unbezahlbar" wird.
Wer auf solche Kombinationen dennoch nicht verzichten will, sollte der wuchsschwächeren Art einen angemessenen Entwicklungsvorsprung gewähren und die Zweitpflanze mit entsprechendem Zeitversatz nachpflanzen. Das führt - allerdings auch nur bei sehr intensiver Pflege - immerhin zu akzeptableren Erfolgsaussichten.
Etwas praktikabler als Kombinationen unter Beteiligung einer Schlingpflanze stellen sich solche von Spreizklimmern und Rankern untereinander und miteinander dar, z.B. das in Privatgärten gerne praktizierte Zusammenpflanzen von Rosen (egal ob kletternd oder nicht) und Clematis. Ich persönlich würde allerdings nicht nut auf gute Vereinbarkeit der Kletterstrategien und Wuchsstärke achten, sondern obendrein Kletterpflanzen bevorzugen, die ganzjährig starke Rückschnitte vertragen.

Foto 5b - Kletterrose und Weinrebe an einem Balkon in etwa 8 m Höhe
Eine Koexistenz kletternder Pflanzen auf engem Raum ist also schwierig, aber nicht unmöglich. Sie hat (siehe Foto 5 b) ihren ganz besonderen Reiz ("blühender Wein", Formen- und Farbenspiel des Laubes), aber m.E. sollten solche "Experimente" engagierten Hobbygärtnern vorbehalten bleiben. Solange keine triftigen Gründe dafür sprechen, dass ein Bauherr die notwendige, intensive Dauerpflege tatsächlich sicherstellt, muss man leider vom baldigen Scheitern solcher Kombinationen ausgehen.
Ich rate dazu, funktionsoptimierte Fassadenbegrünungen im allgemeinen nur auf der Basis einzelner Kletterpflanzen in angemessenem Abstand zueinander (Faustformel = halbe Wuchshöhe) anzulegen.
Deutlich engere Pflanzung sehe ich nur bei Efeu als u.U. sinnvoll an, da sie in diesem Fall zu besserer Flächendeckung bei vermutlich vermindertem Höhen- und Dickenwuchs führt. Dieser Trick sollte allerdings nur für große (hohe und breite) Flächen mit rauer Oberfläche angewandt werden, da einander überkreuzende Triebe zu vermindertem Direktkontakt mit der tragenden Unterlage führen. (Vgl. Tabelle A, Nr. A4 [Beispiel 3, Selbstklimmer]).
© Thorwald Brandwein
----------------------------------------------------------------
|