| Beispiel 2 |
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"Pflanzenauswahl unter Vernachlässigung von Eignungsaspekten der Fassade oder vorhandener Kletterhilfen hinsichtlich der Kletterstrategie"

Fotos 2 a und b - Beispiele zur Pflanzeniegnung von Kletterhilfen (hier Stahl / Kunststoff)
Links:
Vor Stahlgittermatten entwickelt sich Wilder Wein als Bodendecker, da seine kurzen Ranken (hier keine Haftscheibenbildung) die Stäbe offenbar nicht ausreichend fest umfassen können. Lediglich an der abgewinkelten Kletterhilfe im Windschatten des Pfeilers ist der Halt sichtbar besser.
Dieser Fall ist eigentlich für rankenden wilden Wein (Parthenocissus inserta) völlig untypisch, denn eigentlich ist dessen aktive Rankenlänge ausreichend zur Umklammerung von Stäben bis etwa 1 cm Dicke. Die einzig einleuchtende Erklärung für das schlechte Klettervermögen an der eigentlich noch artgerechten Kletterhilfe ist permanente Windeinwirkung (bisher) durch das unterste Parkdeck. Sie löst offenbar immer wieder die Ranken ehe diese eine ausreichend belastbare Verbindung zur Kletterhilfe herstellen können.
Bekanntermaßen sind Ranken nur in einer relativ kurzen Entwicklungsphase "aktiv". Nach der Phase des "Umklammerns", das i.d.R. durch Berührungsreize gesteuert wird, folgt meist eine Kontraktionsphhase des Rankenstieles. Spätestens mit deren Beginn kann keine Ranke mehr "zugreifen". Daher daher kann es niemals einen zweiten Versuch des Anklammerns gegen, wenn der erste nicht zum Erfolg führt. Die betreffende Ranke wird unbrauchbar und damit erhöht sich (durch den längeren unbefestigten Trieb) auch die Wahrscheinlichkeit, dass die nächste gebildete Ranke am zugigen Standort ebenfalls keinen Halt bewerkstelligen kann.
Dieser Fall demonstriert die eingeschränkte Allgemeingültigkeit vieler Pauschalempfehlungen. Es gibt eben auch "untypische Mängel". Auch wenn solche - wie hier von mir vermutet - ganz dicht neben den typischen Mängeln liegen, sind solche - auch für erfahrene Fassadenbegrüner - mitunter nicht vorhersehbar.
Vielleicht würde auch in diesem Fall der Wilde Wein wie geünscht klettern, wenn die Stäbe etwas dünner oder nicht so glatt beschichtet wären
Allgemein lehne ich derart enge Gitter für eine flächige Fassadenbegrünung grundsätzlich ab. Bei Wandmontage behindern sie qualifizierte Schnittmaßnahmen und Totholzentfernung in einer Weise, die solche Ausführungen annähernd unpflegbar macht.
Rechts: Die vorhandene Gitterstruktur wird von Wisteria floribunda (rechtswindend) fast störungsfrei bewachsen, obwohl der vertikale Abstand der Horizontalprofile für eine derart wüchsige Schlingpflanze etwas zu klein ist.
© Thorwald Brandwein
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