Beispiel 13 Thorwald Brandwein Fassadenbegrünung - Porträt

"Unterlassung notwendiger Maßnahmen zur Kontrolle / Begrenzung des Auftretens pflanzenverursachter Spannungszustände (i.d.R. triebstarke Schlingpflanzen)"

Blauregen Hochstamm - Wisteria trägt sich nicht selbst sondern würgt Lampe und braucht obendrein Stütze
Foto 14 a und b  -  Verbiegen (auslenken) von Tragkonstruktionen durch unkontrollierten Dickenwuchs.

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Das Sommerlaub verdeckt den Schaden, der durch Vernachlässigung meistens unverzichtbarer Schnitt- und Leitungsarbeiten an einer starkwüchsigen Schlingpflanze entstanden ist.

Die Relevanz dessen, was solche pflanzenverursachten Kräfte anrichten, ist natürlich vom Einzelfall abhängig. In Bild 14a ist eine Gartenlampe mehr oder weniger zerstört worden - ein Schaden von vielleicht 200 Euro sofern man nur die Ersatzbeschaffung berücksichtigt. Schrottbeseitigung, Aufstellung und Anschluss eine neuen Lampe an anderer Stelle dürfte insgesamt teurer werden.
Das wird offenbar als leicht verschmerzbar angesehen, denn anderenfalls hätte der Gärtner, dem die Lampe gehört, sicherlich etwas zur Abwendung des pflanzenverusrsachten Schadens getan, mit dem er seine Kunden begrüßt. Die lassen sich also wohl nicht von so etwas merklich beeindrucken...

Strangulation an Drahtseil und Zaun durch schlingende (würgende) Kletterpflanzen
Fotos 14 c und d   -  Spannungen infolge Dickenwuchs (hier Schlingpflanzen)

Ähnliches gilt für den bald brechenden Zaun in Foto 14d. Der ist zwar sicherlich auch kein Vermögen wert - aber trotzdem nicht dafür gemacht, von Kletterpflanzen zerlegt zu werden. In beiden Fällen hätte rechtzeitiges Abwickeln und paralleles Auf- oder Anbinden der windenden, bzw. "flechtenden" Triebe dem Zustandekommen von Spannungen vorgebeugt.

Die Fotos 14c und d verdeutlichen beide, dass teilweise in sehr direkter Abhängigkeit mit der Zunahme von Triebquerschnittsflächen (Dicke) erhebliche Biege- oder Zugspannungen aufgebaut werden. Dabei stellt sich die in Foto 14c beispielhaft dokumentierte Situation etwas erläuterungsbedürftiger dar: Am Seil, dessen beide Enden i.d.R. fixiert sind, erfordert jede Querauslenkung eine Dehnung und eine solche bewirkt prinzipiell eine Erhöhung der Seilspannung. Diese wiederum führt zu höherer Belastung (meist Biegung) von Seilendhaltern. Beispiele für versagende Seilendhalterungen habe ich ihnen vorhin schon gezeigt. Natürlich kann man solche auch "sicher" konstruieren, aber damit schließt man Schäden an begrünten Fassaden nicht zuverlässig aus. Man muss zusätzlich sicherstellen, dass jeder Seilhalter auch sehr hoch belastbar an der Fassade befestigt werden kann. Die bisher nicht kalkulierbaren pflanzenverursachten Zusatzspannungen (meist von Schlingpflanzen ausgehend) führen in der Praxis vor allem an außen wärmegedämmten Fassaden mit "seilgestützter" Begrünung zu Beschädigungen am Bauwerk weil dies bei größerem Abstand zum Tragwerk nicht immer (kostengünstig genug) gelingt. Mit seilen kann man eben nicht tatsaächlich stützen, sondern nur aufhängen, bzw. Zugspannungen ableiten.

Eine längerfristige Tolerierung "organisch wachsender" Spannungen wirkt sich auch oft pflanzenschädigend aus. Umwinden sich Triebe gegenseitig ist immer der äußere (i.d.R. jüngere) im Vorteil, denn sein Dickenwuchs wird weniger eingeschränkt. Meist "erdrosselt" ein jüngerer Trieb den älteren - es kann aber auch unter gleich alten Trieben zum Absterben kommen, wenn die Windesteigung klein ist (geringe Vitalität / Witterungseinflüsse)

Pflegerische Eingriffe zur Vermeidung dickenwuchsbedingter Spannungen (auch Zwängungen) sind bei allen Kletterpflanzen unverzichtbar, auch wenn sie bei Schlingpflanzen besonders augenfällig und häufig zu Schäden führen. Aber auch z.B. ein von Efeu ab- oder im Nahtbereich eingedrücktes (und damit undichtes) Regenfallrohr ist Folge des natürlichen sekundären Dickenwuchses, der in jedem Fall nur dort toleriert werden darf, wo er keine Spannungen verursacht.

Eigentlich sollte man meinen, dass rechtzeitiges Schneiden - die einfachste Variante zur Vermeidung dickenwuchsbedingter Schäden und gleichzeitig das Universalrezept zum Erhalt von Vitalität und optischer Attraktivität von älteren Fassadenbegrünungen - doch nicht so schwer sein kann...



© Thorwald Brandwein
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