Beispiel 12 Thorwald Brandwein Fassadenbegrünung - Porträt

"Reduzierung der Kletterhilfen auf ein langfristig unzulängliches Minimum, z.B. lineare Einzelaufleitung (Stange, Seil)"

Fassadenbegrünung mit kletternden Pflanzen an linear einachsigen Kletterhilfen (meist Drahtseil)
Fotos 12 a und b  -  Lineare Auf- und Querleitungen von Kletterpflanzen an nur einer Stange oder einem Seil

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    Links:
    Mit der Installation einer einachsigen Kletterhilfe (absolute Minimalausführung) wird der Grundstein für künftige Schwierigkeiten mit dem langfristigen Wuchs der meisten Kletterpflanzen gelegt. Gerüstkletterpflanzen streben eine etwa pilz- bis halbkugelförmige Entwicklung an. Sie wachsen entlang geeigneter Strukturen auf dem schnellsten Weg dem Licht entgegen und bilden dort - also i.d.R. über Busch- und Baumkronen - ein flächiges Wachstum aus, das die Unterlage (belaubtes Zweigwerk) überdeckt.
    Zur "Erschließung" weiterer gut belichteter Ausbreitungsflächen werden am alten Holz Seitentriebe ausgebildet - teilweise mit (im Schatten/temporär?) lichtfliehender Wuchsorientierung.
    Minimalkletterhilfen werden solchem "Ausbreitungstrieb" nicht gerecht. Seitentriebe von Schling- und Rankpflanzen mit besonders schlanken, wenig holzigen Trieben finden Halt am Bestand oder gar nicht - letzteres gilt vor allem für Kletterpflanzen die auschließlich dem Licht entgegen wachsen.
    Die "Überfrachtung" von Minimalkletterhilfen und daraus resultierende unansehnliche "Totholzsäulen" mit abnehmender Vitalität sind ein besonders häufiger Mangel, der auch sehr häufig zur Überlastung von Kletterhilfen führt. Sie haben ihn auf vielen der heute gezeigten Fotos bereits gesehen und auch die abgebildete Wisteria entwickelt sich in diese Richtung. Die Ausbreitung des abgebildeten Blauregens auf dem Balkongeländer bedarf künftig kritischer Kontrolle. Dabei ist nicht nur eine Sichtung auf eventuell auftretende Zwängungen erforderlich, sondern auch zu prüfen, ob die Verankerung des Geländers die Zusatzlasten durch den (schwingenden) Bewuchs auf Dauer tragen kann.

    Rechts:
    Wo schmale Flächen zu einachsigen Kletterhilfen zwingen, sind nach Möglichkeit Spreizklimmer oder sehr holzige Rankpflanzen zu bevorzugen. Mit diesen lassen sich Säulenformen besser bilden und unterhalten. Obendrein treten i.d.R. keine Spannungen, die aus Umschlingung und Dickenwuchs resultieren, auf.
    Kletterpflanzen dieser beiden Kletterstrategien müssen i.d.R. an unverstrebten Kletterhilfen aufgebunden werden. Spreizklimmer entwickeln daran keinen und Rankpflanzen nur einen zeitlich beschränkten Halt, der durch kleine sog. "Klettersprossen" (auch "Ranksprossen" oder "Abrutschsicherungen") kaum nennenswert verbessert und verlängert wird.
    Horizontale Leitung erfordert fast immer "leitende Hilfestellung" und sollte daher möglichst nur an gut erreichbaren Stellen vorgesehen werden.


© Thorwald Brandwein

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