Beispiel 10 Thorwald Brandwein Fassadenbegrünung - Porträt

"Unterdimensionierung von Kletterhilfen in Hinsicht auf die zu erwartende Größe des Bewuchses"

Höhe von Kletterhilfen für Fassadenbegrünung mit Kletterpflanzen
Fotos 10 a, b und c  -  Größen von Kletterhilfen ; sehr oft viel zu niedrig

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Man kann natürlich immer darüber streiten, ob die Kletterhilfen zu klein oder ob die Pflanzen zu groß sind .... Deshalb mein Querverweis auf die Nummer A2.

    Links:
    Wenn das Gebäude die Anbringung einer größeren Kletterhilfe überhaupt nicht zulässt, ist sicherlich nicht die Kletterhilfe falsch dimensioniert, sondern die Kletterpflanze falsch gewählt. Bisher habe ich aber kein passenderes Foto einer älteren Maßnahme gefunden, für die an einem ausreichend hohen Haus eine viel zu kleine Kletterhilfe Bestand hat.
    Beachten sie bitte trotzdem die überfrachtete (einachsige) Kletterhilfe und die heraushängenden Pflanzenreste unter dem Abdeckblech der Attika und im Jalousienkasten als Folge von zu wenig Klettermöglichkeit und versäumter Rückschnitte, die an solchen "fehlbepflanzten" Maßnahmen in sehr kurzen Abständen (mitunter 14-tägig) angemessen wären.

    Mitte:
    Hier ist die Kletterhilfe definitiv zu klein (und zu schwach). Diese Maßnahme ist zum Scheitern verurteilt, sofern kein grundsätzlicher Umbau erfolgt. Daraus resultiert wohl auch, dass solche Anlagen (in so einer Ausführung) nicht alt werden - also auch nicht als Altbestand dokumentiert werden können. Entweder werden sie durch Neubepflanzung korrigiert (selten), durch technischen Ausbau angepasst (manchmal) oder irgendwann verdrossen beseitigt. Letzteres dürfte den häufigsten Fall darstellen.

    Rechts:
    An das abgebildete Haus wurden Kletterhilfe für hohe Begrünungen installiert. Die Ansicht der Hofseite zeigt, dass man Kletterhilfen auch bewusst - also durchaus beabsichtigt "zu groß" ausführen kann. Die volle Abdeckung der Fassadenfläche ist primär aus gestalterischen Gründen gewünscht, sekundär soll ein hoher Bewuchs möglich sein, dessen Pflege über die Balkone und eine Dachterrasse erfolgen kann.
    Prinzipiell ist eine voraussichtlich "zu hohe" Kletterhilfe vorteilhaft. Die Literaturangaben bezüglich der potenziellen Wuchshöhe der Kletterpflanzen sind m.E. nicht alle verlässlich, sondern stellen eher einen Erfahrungswert der Autoren für die wahrscheinlich zuverlässig zu erreichende Höhe dar. So liegen z.B. die Wuchshöhenangaben für Vitis vinifera allesamt unter 15 m aber dieses Maß wird (bei entsprechender Erziehung) immer wieder überschritten (vgl. z.B. Abb. 12 meines Vortrages Giardini verticali, Parma 23.05.08)
    Das Höhenwachstum wird u.a. stark durch die Struktur einer Kletterhilfe beeinflusst. An einer artgerecht konzipierten Konstruktiuon erreichen viele gerüstkletternde Arten schon allein deshalb maximale Wuchshöhen, weil sie ohne Umwege aufwärts streben können. Hohe, artgerechte Kletterhilfen, an denen Kletterpflanzen ihr tatsächliches Höhenwuchsvermögen demonstrieren können, sind bisher noch so selten, dass daran messbare Wuchshöhen noch als Ausnahme angesehen werden - also als eher unwahrscheinlich gelten müssen.
    Ich halte es jedoch (wenn alle Standorbedingungen stimmen) für wahrscheinlich, dass die gängigsten in Mitteleuropa zur Fassadenbegrünung eingesetzten Arten mindestens so hoch werden, wie es in der FLL-Richtlinie "Planung, Ausführung und Pflege von Fassadenbegrünungen mit Kletterpflanzen" angegeben wird. Aus dieser Wahrscheinlichkeit leite ich die Empfehlung ab, wenn möglich, Kletterhilfen vorzusehen, die etwa 10% höher enden, als ihr Bewuchs laut dieser Richtlinie voraussichtlich wird. Auf diese Weise werden verschattende Überhänge, die sich aus abkippendem Bewuchs bilden, vermieden. Das reduziert den Pflegebedarf am oberen Ende von Fassadenbegrünungen mit Gerüstkletterpflanzen recht wirkungsvoll.


Breite von Kletterhilfen:
Im Gegensatz zur Höhe ist die angemessene Breite von Kletterhilfen relativ unabhängig von der Wuchsstärke. Sie richtet sich mehr nach der Kletterstrategie. Während Rankpflanzen und Spreizklimmer sich sehr gut horizontal verziehen lassen - also durchaus für breite niedrige Begrünungen infrage kommen, sind Schlingpflanzen an Fassaden i.d.R. nur durch Leitung (Horizontalverzug) in größere Breiten zu "zwingen". Ausnahme: Lauben und ähnliche Konstruktionen, auf denen Kletterpflanzen ein Dach bilden und die daher sicher keinen weiteren Höhenwuchs erlauben. In diesem Fall liegen die Triebe von Schlingpflanzen in ähnlicher Weise auf, wie sie es auf der Krone eines Baumes täten.

Blauregen zur Verschattung über einem Parkplatz
Foto ohne Nr.  -  Blauregen - weitgehend ungeleitet - auf Holzkonstruktion zur Verschattung von Pkw-Stellplätzen

Artspezifische Breitenempfehlungen für Kletterhilfen zur Fassadenbegrünung sind aufgrund des Einflusses von Kletterstrategie und Leitung/Erziehung nicht sinnvoll. Alle Gerüstkletterpflanzen würden - sofern eine artgerechte dreidimensionale Kletterhilfe vorhanden wäre, ein trichter- oder pilzähnliches bis halbkugelförmiges Volumen bilden. Selbst an fensterlosen (völlig ungegliederten) Fassaden sollen und können Kletterpflanzen jedoch nur Wuchs in Höhe und Breite bei sehr eingeschränkter Dicke entwickeln. Das eigentlich voluminöse Wuchsvermögen kann deshalb nicht ausgeschöpft werden sondern verursacht die Notwendigkeit zu periodischer Einkürzung (Schnitt) allein schon zur Dickenbegrenzung. Aus diesem Grund richtet sich die angemessene Breite für Kletterhilfen sehr weitgehend nach den im Einzelfall relevanten Gestaltungsaspekten unter Beachtung der folgenden Empfehlungen:
  • Für schlingende Kletterpflanzen kommen bevorzugt schlankere vertikale Formen infrage, wobei ich grundsätzlich für möglichst mindestens drei aufleitende Achsen (Profile) plädiere. Kletterhilfen für Schlingpflanzen mit Breiten über zwei Meter bedürfen bereits leitender Eingriffe nach der Pflanzung um eine gleichmäßige Flächendeckung zu erzielen.
  • Für Spreizklimmer und Ranker empfehle ich für die Breite gerne mindestens 1,2 Meter bis etwa zur halben Wuchshöhe (sofern realisierbar). Mit solcher Bepflanzungkann jedoch horizontale Leitung von der Pflanzstelle ausgehend in mehrere Richtungen annäherd so weit vorgesehen werden, wie die Wuchshöhe nach FLL angegeben ist. Das gilt natürlich abzüglich der Höhe, in der die Querableitung vorgesehen ist.
Horizontaler Verzug von Kletterpflanzen - aber ganz besonders der von schlingenden Pflanzen - sollte zwecks kostengünstiger Pflege (Schnitt/Leitung) möglichst gut erreichbar sein, also bevorzugt auf Höhen bis max. 4 m über dem Boden erfolgen. Lediglich dünntriebige Rankpflanzen (z.B. div. Clematis und Parthenocissus inserta), die sich auch sehr gut flach (vorhangartig) hängend verwenden lassen, empfehlen sich (bedingt) für Querableitungen in größeren Höhen.

© Thorwald Brandwein

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