FAQ Fassadenbegrünung mit Kletterpflanzen
Antwort(en) zu:
Linkswindend oder rechtswindend...?
Vielfach wird empfohlen, Schlingpflanzen bei Pflanzung entprechend
ihrer natürlichen Winderichtung um eine Kletterhilfe zu wickeln. Was ist damit gemeint?
Antwort 1
Ganz einfach: Spiralig links oder rechts herum....
Die Triebspitze einer Schlingpflanze (auch als "Winde" oder Windepflanze bezeichnet) umkreist im Idealfall eine imaginäre oder tatsächliche Vertikalachse - so wie ein Drehzeiger seine Achse.
Im Alltag sind wir "rechtsdrehende" Zeiger ebenso gewohnt wie nach rechts schließende Ventile oder Schrauben, die rechtsdrehend festgezogen werden. Der rechtsdrehende Uhrzeiger führte sogar zum Synomym "Drehung im Uhrzeigersinn" als eindeutige Bezeichnung für eine Rechtsdrehung.
Definition der Winderrichtungen
 Linksdrehung So löst man eine Schraube
oder öffnet ein Ventil
|
 Ein Zeiger - "natürlich" rechtsdrehend!
|
 Rechtsdrehung "Nach rechts" zieht man die meisten Schrauben fest oder schließt man Ventile (z.B. Wasserhähne)
|
Bezüglich der Winderichtung von Kletterpflanzen kommt es - trotz der Eindeutigkeit mit der wir Drehrichtungen bezeichnen - immer wieder zu Verwirrungen.
Vermutlich ist dies eine Folge des Betrachtungswinkels... Üblicherweise sehen wir Schlingpflanzen nicht aus der Vogelperspektive, sondern von der Seite oder auch sogar von unten. Bei Seitenansicht sehen wir den Trieb einer rechtwindenden Pflanze nach links und den einer linkswindenden nach rechts geneigt. Offenbar resultieren daraus Missverständnisse.
Eine korrekte Angabe der Winderichtung erfolgt entsprechend der voranstehenden Bilder unter Bezug auf Betrachtung der Triebspitzenbewegung von oben herab.
|
 Linkswindende Zaunwinde
|
 Rechtswindender Blauregen
|
Bedeutung der Winderichtung
Da die Winderichtung überwiegend genetisch vorgegeben ist, stellt sie ein botanisches Merkmal dar mit dem sich Identifizierungen zusätzlich absichern lassen.
Die Empfehlung, Schlingpflanzen unter Beachtung der artspezifischen Winderichtung an Kletterhilfen zu fixieren, soll angeblich das Auftreten von Wuchsstagnationen verhindern helfen.
Ob es in dieser Hinsicht nutzt, ist allerdings unbewiesen. Auf jeden Fall gewinnen viele Schlingpflanzen auf diese Weise (im Allgemeinen ohne zusätzliche Fixierung) unmittelbaren Halt und eine frisch bepflanzte Kletterhilfe sieht natürlich bewachsen aus. Welche Winderichtung dabei zu beachten ist, sieht man meistens an der Pflanze selbst. Nur selten (meist bei sehr jungen Pflanzen) lässt sich dies (noch) nicht zuverlässig erkennen. In diesem Fall kann auf zahlreiche Literaturangaben zurückgegriffen werden.
Bei starkwüchsigen ausdauernden Schlingpflanzen sollte man allerdings darauf verzichten, diese bodennah in eine Kletterhilfe einzuflechten. Insbesondere bei Seilkonstruktionen sollte man es vermeiden, spätere Haupttriebe (Stämme) so zu leiten, dass ihr späterer Dickenwuchs zu Seilauslenkung und/oder Strangulation führt.
Unter begrünungstechnischen Aspekten - also vor allem für Bauart und Befestigung von Kletterhilfen - ist die Winderichtung bedeutungslos.
Ergänzende Informationen zum Winden der Schlingpflanzen
Die Richtung der Windebewegung (links- oder rechtsdrehend) ist bei den meisten Schlingpflanzen genetisch vorgegeben. Bei einigen Arten/Sorten entscheidet sich die pflanzenspezifische Winderichtung mit einsetzendem Höhenwachstum und ganz wenige schlingende Pflanzen können die Winderichtung wechseln.
Diese Drehung der Triebspitze wird meistens durch unterschiedliches Zellwachstum erreicht. Auslöser dafür können genetische Veranlagung aber auch Chemo- oder Thigmotropismus (also chemische oder mechanische Reizungen) sein.
Recht häufig unterstellte vorrangige Abhängigkeiten der Winderichtung von der Erdanziehung, der Corioliskraft oder gar der Herkunft von nördlicher oder südlicher Erdhalbkugel ist nicht nachweisbar und aus mehreren Gründen unlogisch bzw. sogar völlig abwegig.
Eine Windung (360-Grad-Drehung der Triebspitze) dauert i.d.R. deutlich weniger als einen Tag. Das in dieser Zeit getätigte Längenwachstum des Triebes ist nicht nur von der Wüchsigkeit der Pflanze, sondern auch von zahlreichen (auch jeweils aktuellen) Umgebungsparametern abhängig. In Verbindung mit dem Durchmesser einer umwundenen Stütze ergibt sich daraus der Steigungswinkel der spiralförmigen Wuchsform von Schlingpflanzen.
Der ungefähre Radius des Kreises, den die Triebspitze bei jeder Windung beschreibt, ist ebenfalls genetisch festgelegt. Er ist - u.a. je nach dem Steuerungsprinzip - zwischen ca. 1 cm und ca. 40 cm weit.
Dieses Maß hat im Gegensatz zur Winderichtung eine begrünungstechnische Relevanz. Der Umlauf eines Sprosses um eine aufleitende Kletterhilfe sollte natürlich nicht durch Hindernisse gestört werden. Die voranstehend abgebildeten Schlingpfanzen winden beide recht eng - insbesondere die Zaunwinde. Ihre im linken Bild dargestellte Windung ist durch die Enge des Maschendrahtzaunes sichtbar gestört. Die im rechten Bild erkennbar variierende Windesteigung des Blauregens (Wisteria floribunda) ist eine Folge von Witterungseinflüssen.
© T. Brandwein, Mechernich, (Webmaster)
««««« »»»»»
Die FAQ-Fassadenbegrünung ist eine Initiative von T. Brandwein, Hersteller (Firmenporträt) von Polygrün-Kletterhilfen (Produktinformationen).
Die Domain «www.biotekt.de» informiert - u.a. durch eine umfassende Linksammlung - über alle Aspekte der Bauwerksbegrünung. Eine Übersicht der enthaltenen Rubriken (auch Impressum) öffnet sich hier. Alternativ zu den drei vorgenannten Links können sie unten ein Logo anklicken.
|
|