FAQ Fassadenbegrünung mit Kletterpflanzen
Antwort(en) zu:
Ich habe einen Blauregen (Wisteria sinensis) an eine Tanne gepflanzt. Schadet ihr das?
Antwort 1
Das hängt vor allem von der Größe der Tanne ab....
Allgemeines
Allgemein sind Baumschäden durch Bewuchs mit starkwüchsigen Kletterpflanzen (meist Efeu)
umstritten. Als mögliche generelle Schadensursachen werden Wurzelkonkurrenz (also von
Kletterpflanzen verursachter Nährstoffmangel oder Wasserentzug), Lichtmangel (Lichtentzug)
und teilweise auch statische Probleme wegen Zusatzlasten angesprochen.
Vielfach wird angegeben, dass es keine Nachweise für eine allgemeine Schädlichkeit dieser
Einflüsse gibt - andere verweisen auf Beispiele. Wie das aber bei vielen Fragen im Umgang mit
Kletterpflanzen ist, entziehen sich diese angeblichen oder tatsächlichen Beispiele durch schnelle
Entfernung zur Vermeidung weiterer (befürchteter) Schäden der genaueren Betrachtung. Dabei wird
natürlich auf den zusätzlichen Aufwand, den eine kompetente Analyse des tatsächlichen Schadens(potenzials)
verursachen würde, verzichtet. So bleiben eventuell konkrete Schadensbeispiele eben nur
Anlässe für Gerüchte und mehr oder weniger unfundierte Meinungen....
Der Baumbewuchs durch eine Schlingpflanze (auch Chinesischer Blauregen; Wisteria sinensis) stellt
einen Sonderfall dar, der sich vom Bewuchs durch Selbstklimmer, Rankpflanzen und Spreizklimmern wesentlich
unterscheidet. Schlingpflanzen umwinden ihren Träger spiralig und daraus resultiert früher
oder später ein mehr oder weniger hoher (beides artspezifisch und situationsbezogen) Druck auf
denselben aufgrund von Dickenwuchs. Ist der Träger selbst eine lebenige (wachsende) Pflanze,
dann erhöht sich dieser Druck noch entsprechend ihrem eigenen Dickenwuchsvermögen unter Zwängung.
Betrachtet man das Bild weiter unten, dann sieht man eine Einschnürung (Behinderung des Dickenwuchses) der
abgebildeten Birke. Sowohl die nebenan wachsende Wisterie, als auch die Birke sind vitale Exemplare
mit seit > 15 Jahren etablierten Wurzeln. Die Umschlingung erfolgte ab Sommer 2005, das Foto entstand
im April 2007.
Verstärkt dadurch, dass die "Versorgungsleitungen" von Bäumen in den Außenschichten des Stammes
liegen kommt es aufgrund der Umwindung durch eine Schlingpflanze um so eher zu einer
Strangulation, je weniger der Baum dieser durch Krümmung des Stammes ausweichen kann.
Die Strangulation ist um so gefährlicher, wie der Baumstamm bereits gefestigt ist (auch Stammdicke)
und je flacher die Windung der Schlingpflanze verläuft. (Steigungswinkel - Windungen pro Längeneinheit
der Stammhöhe). Dass dieser spezielle Aspekt der "Baumbegrünung" mit Kletterpflanzen, speziell
Schlingpflanzen, unumstößlich auf tatsächlich erfahrenen Problemen beruht, belegt der deutsche Name
für die Celastrus-Arten. Man nennt sie sicherlich nicht grundlos "Baumwürger"!
Ehe ich speziell auf den Baumbewuchs durch Wisteria eingehe, noch ein paar eigene Anmerkungen zu
den o.a. allgemeinen Schäden durch Kletterpflanzen an Bäumen:
Wurzelkonkurrenz zwischen Bäumen und Kletterpflanzen
Sobald Pflanzen (zu) dicht beieinander stehen, konkurrieren sie selbstverständlich untereinander
um ihren Lebensbedarf, sobald dieser nicht mindestens ausreichend verfügbar ist. Kritisch wird
es bereits, wenn einzelne Ressourcen aufgrund hohem Bedarf knapp werden - ein Aspekt, den man
z.B. im Zusammenhang mit Monokulturen besonders berücksichtigen muss.
Man darf aber nicht zwingend davon ausgehen, dass bereits dichtes Beieinanderstehen verschiedener
Pflanzen generell zu Knappheit an Nährstoffen oder Feuchte, bzw. Mangel an beiden Pflanzen
führt. Wo ein ausreichendes Angebot besteht, werden mindestens beide "satt"...
Dazu dürften auch in diesem Fall Verschiedenheiten zwischen Kletterpflanzen und Bäumen
beitragen. Immerhin "vertragen" sie sich z.B. in den Tropen auf häufig
nährstoffarmen Böden so gut, dass i.d.R. ein Gleichgewicht besteht.
In unseren Breiten halte ich den Aspekt "Wurzelkonkurrenz" bevorzugt für bedeutsam,
wenn einerseits das Feuchteangebot im Boden unterdurchschnittlich ist, andererseits beide Pflanzen
aufgrund ihres evtl. exponierten Standortes (Sonne/Wind) einen überdurchschnittlichen
Wasserbedarf entwickeln.
Diese Vermutung meinerseits wird dadurch bestärkt, dass ich z.B. Bäume, die augenscheinlich
unter Efeubewuchs leiden (hohe Totholzanteile), vor allem abseits von Wald und Bachläufen
stehend kenne. Von daher spreche ich dem Aspekt Wurzelkonkurrenz bevorzugt für solche
Situationen - aber auch für Stadt- und Straßenbäume (Bodenversiegelung) -
praktische Relevanz zu.
Statische Aspekte des Bewuchses von Bäumen durch Kletterpflanzen
Generell muss man auch hier zwischen Vertikallasten (Gewichte) und Horizontallasten (Wind)
unterscheiden und natürlich die Situation beachten. So wirkt sich z.B. das Laub und
das Astgewirr einiger Kletterpflanzen markanter auf herbst- und winterliche Belastungen
laubabwerfender Bäume aus (stark erhöhte Schnee- und Windlasten) als das anderer. Z.B. überzieht Clematis
vitalba Bäume nur außenseitig, während alle Haftwurzelkletterer sie entlang des Stammes und der
dickeren Äste erobern.
Das reine Zusatzgewicht durch eine außenseitig wuchernde Kletterpflanze ist i.d.R. kleiner, als
deren Eigengewicht zu dem der Laubanteil (ggf. tropfnasses Laub) sehr erheblich beiträgt.
Einen Großteil der so von der Kletterpflanze gebildeten Laubmasse verliert der dadurch
verschattete Baum als Blätter oder Nadeln. Das schwächt ihn nicht zwingend aber wahrscheinlich.
Die wahrscheinliche Schwächung durch den Verlust eigener Blattmasse kann vielleicht bewirken, dass
der Baum sich nicht an die zusätzliche Belastung anpasst. Prinzipiell ist er fähig, Zusatzlasten
(meist Windlasten an exponierten Stellen) durch Anpassung von Form und Holzdichte längerfristig
zu kompensieren. Da auch eine Kletterpflanze nur langsam ein Mehrgewicht entwickelt, darf man
m.E. davon ausgehen, dass ein vitaler Baum dieses solange verkraftet, wie außergewöhnliche
Mehrbelastungen ausbleiben.
Solange also ein Baum nicht durch die Kletterpflanze unter Nährstoff-, Wasser- oder Lichtentzug
leidet gehen die beachtenswertesten Gefahren durch eine evtl. deutlich erhöhte Beanspruchung
durch Schneefälle oder Sturm aus.
Mehr Infos über Statik und Gewichte von Kletterpflanzen erschließt die
Biotekt-Fotomap im Abschnitt "Fassadenbegrünung - statische Aspekte".
Speziell:
Das Klettern von Wisteria (Blauregen, Glycinie, Glycine) am und im Baum
Zum Wuchs schlingender/windender Kletterpflanzen
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