FAQ Fassadenbegrünung mit Kletterpflanzen

Antwort(en) zu:

Mein Blauregen (auch Wein, Hopfen und andere [Kletter]Pflanzen)
hat sehr helle Blätter - ist er krank?

(Häufiger wird auch ergänzend zur ungewöhnlich hellen Blattfarbe abseits der
Äderung auf komplett vertrocknete Blätter oder Sommerlaubfall hingewiesen.)


Antwort 1

    Im Prinzip wohl noch nicht, aber er leidet Mangel und kann daran sterben....

    Die in der Frage beschriebene Mangelerscheinung kann u.a. eine Folge von Chlorose (Vergilbungskrankheit) sein. Diese hängt mit Eisenmangel zusammen, aber i.d.R. ist nicht Eisenmangel im Boden ursächlich für solche Unterversorgung von Pflanzen. Im Allgemeinen ist der Eisengehalt des Bodens hoch genug, aber das vorhandene Eisen (Fe) ist nicht immer ausreichend planzenverfügbar - teils infolge vorhandener Bodeneigenschaften), teils temporär aufgrund aktueller Witterung) und nicht zuletzt auch kulturbedingt. Allerdings ist Eisenmangel - egal welchen Ursprungs - nicht die einzige mögliche Ursache für Blattvergilbungen. Viele weitere sind möglich, z.B. kann auffällige Helllaubigkeit auch auf das Fehlen anderer Spurenelemente (z.B. Mg) zurückgehen.

    Chlorose (Eisenmangel) mit ihren zahlreichen potenziellen Auslösern ist jedoch eine so häufige Ursache von Blattvergilbungen und kümmerlichem Pflanzenwuchs, dass ich sie etwas erläutern möchte:
    Eisen wird von Pflanzen nur von aktiv wachsenden Wurzelspitzen aufgenommen. Damit stellt sich Chlorose nicht nur ein, wenn es an pflanzenverfügbarem Eisen fehlt, sondern vor allem, wenn dieses nicht ausreichend aufgenommen werden kann. Sie stellt daher oft auch einen Indikator für verschiedene, ggf. kombiniert wirksame Negativeinflüsse auf das Wurzelwachstum dar, z.B. Bodenverdichtung oder schlechte Bodendurchlüftung in Verbindung mit Faulprozessen und Staunässe. Ergänzend können Einflüsse, die mit der Bodenzusammensetzung nichts zu tun haben, z.B. Licht- und/oder Wassermangel, tiefe Temperaturen oder Überlastung durch Blüten- oder Fruchtbildung zur eisenmangelbedingten Blattvergilbung führen. Entsprechend spricht man je nach Hauptursache des Eisenmangels von Hunger-, Kälte-, Schwäche-, Stress- und Überlastungschlorose. Einige dieser Ursachen lassen sich eventuell durch situativ abgestimmte Düngung beheben. Diese sollte entsprechend den Ergebnissen einer Bodenanalyse erfolgen.

    Chlorose an Wisteria sinensia
    Ausgeprägte Chlorose an Wisteria sinensis
    (Blauregen)


    Vergilbung an Weinlaub - Vitis vinifera
    Sommerliche Blattvergilbung (temporäre Chlorose)
    an einer reich tragenden Rebe (Vitis vinifera)

Speziell erwähnenswert ist die Kalkchlorose. In stark kalkhaltigen Böden (ph-Wert hoch) ist Eisen (Fe) großteils nicht in löslicher und damit pflanzenverfügbarer Form vorhanden. Bei solchen Böden wirkt sich mechanisch oder durch Nässe bedingte Verdichtung besonders negativ aus, da der damit steigende CO2-Gehalt die Festlegung von Fe zusätzlich begünstigt.

An Fassadenbegrünungen stellt sich Chlorose vor allem an Blauregen, Campsis und Wein häufiger ein. Oft stellt die Pflanzstelle einen Extremstandort dar, der einersteits durch Bodenversiegelung und -verdichtung, andererseits durch Verstärkung oder Minderung von Witterungseinflüssen (Wärme, Wind, Regenschatten) bei einzelnen Pflanzen zu einem "Stresskomplex" führt. Ggf. wird dieser noch durch Kulturmaßnahmen gefördert.
Auch die "Einbringung" bodenschädlicher Substanzen, wie z.B. Streusalz (Straßen- und Gehwegbereich) und/oder Unkrautvernichtern, bzw. Essigsäure, Clor u.ä, z.B. zur "Pflasterreinigung" begünstigt (oder verursacht) das Auftreten von Chlorose.

    Welche Gegenmaßnahmen bei Kletterpflanzen nötig, möglich und auch erfolgversprechend sein könnten, lässt sich bei Fassadenbegrünungen nur im Einzelfall ermitteln. Häufig sind aufgrund Versiegelung (Baulichkeiten) keine sehr wirksamen Möglichkeiten zur Bodenverbesserung gegeben.
    In diesem Fall kann man eigentlich nur oberirdisch evtl. wirksame ("stressmindernde") Maßnahmen ergreifen und ansonsten abwarten, wie sich die Pflanze auf Dauer entwickelt.
    Selbst Wässerung bei Trockenheit (auch mit Regenwasser) ist u.U. (bei ungünstiger Bodenschichtung) schädlich oder wirkungslos, da über die meist kleinen Pflanzstellen schon nach wenigen Standjahren kein wirksamer Einfluss mehr auf den tatsächlichen Wurzelraum einer größeren Pflanze ausgeübt werden kann. Stirbt eine wüchsige Fassadenbegrünung trotz Durchführung der jeweils möglichen Maßnahmen nach einigen Jahren Mangelerscheinungen und nachlassender Vitalität ab, sollte sie m.E. prinzipiell durch eine weniger wüchsige, standortgerechte Bepflanzung (anderer Art) ersetzt werden. Der Ersatz durch eine vitale Jungpflanze gleicher Art, verspricht in diesem Fall keine dauerhafte Verbesserung sondern lässt längerfristig die gleichen Probleme erwarten.

    © T. Brandwein, Mechernich, (Webmaster)



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