- Rückschnitt der hochwüchsigen Kletterpflanzen über die gesamte Höhe in Form einer Kürzung aller seitlich herausragenden Triebe auf max. drei Augen.
- Entflechtung der verbleibenden Haupttriebe - beginnend von oben - möglichst bis zum Boden. Dazu wird es erforderlich sein, etliche lange Triebe zu entfernen, darunter auch solche, die dicht über dem Boden sprießen. Das anzustrebende Ergebnis der Entflechtung sind ein bis zwei möglichst lange schlanke, gerade und vitale Leittriebe je Pflanze, die sich gut parallel der Kletterhilfen anbinden lassen. Überzählige, abgestorbene und zu krumme steife Triebe sollten so bodennah wie möglich entfernt werden. Die so erhaltenen Leittriebe sind vorübergehend provisorisch so zu befestigen, dass die Kletterhilfen für technische Verbesserungsmaßnahmen zugänglich werden.
Die hierzu erforderlichen Arbeiten sind absehbar zeitaufwändig und verlangen den mit ihrer Ausführung beauftragten Personen um so mehr Geduld und Sorgfalt ab, als Wert auf Substanzerhalt gelegt wird. Deshalb lassen sich Zeitaufwand oder Kosten nicht vorhersagen.
- Das Konstruktionsprinzip der Kletterhilfen, sowie die Befestigung am Bauwerk erscheint prinzipiell anforderungsgerecht. Der Abstand zwischen Seilen und Rohren (vgl. Bild 8) ist jedoch zu klein. Ohne Vergrößerung dieses Abstandes bleiben alle Sanierungsbemühungen langfristig wenig erfolgversprechend.
Zur nachhaltigen Verbesserung der Pflegemöglichkeiten sollte die Anzahl Seile je Tragrohr erhöht werden. Dies ließe sich mit neuen Klemmen (wie in Bild 10 skizziert) realisieren.

Bild 10 - Skizze zum Verbesserungsvorschlag
Außerdem empfehle ich, für alle schlingenden Pflanzen keine Seile, sondern (steife) Edelstahl-Rundstäbe (D = 8 mm oder 10 mm) zu installieren. Diese Stäbe sollten dann ca. 300 cm lang sein und nicht durchlaufend, sondern jeweils im Abstand von ca. 20 cm hintereinander montiert werden. Für alle Schlingpflanzen sollten die dünnen Kletterprofile erst in mindestens 200 cm Höhe über dem Boden beginnen. Bei Bedarf kann zwischen Boden und unterster Klemme zur Aufleitung junger Triebe ein leicht verrottendes Seil (Schnur) gespannt werden. Je provisorischer solche Aufleitungen im wurzelhalsnahen Bereich sind, desto sicherer werden speziell die im Stammbereich konzentriert auftretenden dickenwuchsbedingten Spannungen ausgeschlossen.
Für die rankenden Pflanzen (Clematis montana, Wilder Wein, ggf. Vitis Arten) können weiterhin durchlaufende Drahtseile (von denen ggf. etliche frei werden) benutzt werden. Diese sind unter geringer Vorspannung zu montieren. Endklemmen sollten nicht starr gegen Verschieben gesichert werden. Wenn sie unter einer gewissen Seilspannung verrutschen können, ist es unwahrscheinlich, dass ein Tragrohr (oder dessen Befestigung) durch Überlastung Schaden nimmt.
- Nach Verbesserung der Kletterhilfen können die (möglichst lang) erhaltenen Leittriebe daran befestigt werden (lockere, ggf. elastische Anbindung). Zentrale oder symmetrische Anordnung (je nach Anzahl) sollte bevorzugt werden.
- Langfristig sollten Schnittmaßnahmen so ausgeführt werden, dass an jedem verfügbaren Vertikalprofil (Rohr, Stab oder Seil) maximal zwei Triebe bis zur Dicke von ca. 2/5 des Abstandes zwischen Rohr und Seil/Stab wachsen. Ist dieses Maß erreicht, sollte das tragende Profil (aber jährlich je Kletterhilfe höchstens eines) bis zum unteren Ende freigeschnitten werden, so dass ein neuer Trieb daran aufgeleitet werden kann. Auf diese Weise stellt sich ein Turnus ein, der den langfristigen Erhalt eines schlanken, linearen und vitalen Bewuchses erleichtert. Prinzipiell ist darauf zu achten, dass sich keine dickeren Seitentriebe schlingender Pflanzen bilden, die zwei oder mehr Führungsprofile umwinden.
Der alljährlich erforderliche Schnitt ist aufgrund der aktuellen Artenwahl teilweise im Frühjahr, teils im Herbst erforderlich. Die am vorjährigen Holz blühenden Clematis montana sollten regelmäßig kurz nach der Blüte geschnitten werden. Bei den anderen Arten stellt der Spätherbst einen hierzu geeigneten Zeitraum dar.
Neben diesen beiden "Hauptschnittterminen", für die eine Hubarbeitsbühne eingesetzt werden muss, können im Sommer und Herbst kleinere Schnittmaßnahmen erforderlich werden, weil ggf. einzelne Triebe die Funktion von Verschattungseinrichtungen (Jalousien) stören. Diese Schnittmaßnahmen sollten mit langstieligem Werkzeug von den betroffenen Fenstern aus möglich sein.
Unter Beachtung dieser Vorgaben werden sich Aufwand und Kosten der jährlich erforderlichen Schnittmaßnahmen langfristig in überschaubaren Grenzen halten.
Wertung der empfohlenen Maßnahmen
Der aktuelle Zustand sieht zwar sicherlich im belaubten - und erst recht im blühenden Zustand - im großen Ganzen (noch) überwiegend ansprechend aus, sollte aber sowohl aus statischen, als auch pflegetechnischen Gründen nicht beibehalten werden.
Auch hinsichtlich der Grüngestaltung versprechen die dargestellten Vorschläge eine nachhaltige Verbesserung. Die empfohlene Entwirrung und Verschlankung führt zurück zur ursprünglichen Gestaltungsidee, die sich in der Konstruktion der Kletterhilfen darstellt. Danach waren lineare (schnörkellose), hohe und schlanke Strukturen angestrebt.
Die meinerseits für dringlich gehaltenen Entwirrungs-, Verjüngungs- und Verbesserungsmaßnahmen werden sich mit hoher Wahrscheinlichkeit kaum ohne erhebliche Verluste an Biomasse durchführen lassen. Um eine vorübergehende optische Beeinträchtigung zu mindern, empfehle ich trotz der Dringlichkeit, die Sanierungsarbeiten über zwei oder drei Jahre (jeweils im Herbst) zu strecken. Dabei sollten die schlingenden Pflanzen zuerst an die Reihe kommen - auch um ggf. kritische Spannungszustände zu beheben.
Ich schätze, dass es etwa zwei Vegetationsperioden dauert, bis eine entflochtene, triebreduzierte und ggf. um 50% gekürzte vorhandene Pflanze wieder ein Erscheinungsbild aufweist, das dem der ursprünglichen Planung und dem bisher gewohnten entspricht. Neupflanzungen dürften sich optisch nach etwa vier Jahren kaum noch deutlich schwächer als der Altbestand darstellen. Diese temporären Beeinträchtigungen sind für den längerfristigen Bestandserhalt inzwischen leider unvermeidlich. Sie werden aber - ein gewisses Engagement für Substanzerhalt bei der Entflechtung vorausgesetzt - deutlich geringer ausfallen, als bei einer absehbaren Schadensbeseitigung. Diese dürfte in wenigen Jahren nötig werden, falls die hier empfohlenen Maßnahmen aufgeschoben oder gar unterlassen werden.
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