Definition der Bauwerksbegrünung
Bauwerksbegrünung (umgangssprachlich auch "Hausbegrünung") ist Bauen
unter Einbeziehung lebendiger Pflanzen, wobei diese nicht nur der Gestaltung dienen,
sondern etliche Funktionen von Bauwerken verbessern und ergänzen.

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Allgemeines über Bauwerksbegrünung

Arten der Bauwerksbegrünung

Zur Begrünung von Bauwerken bedient man sich der Dachbegrünung, der Fassadenbegrünung und der Innenraumbegrünung.

Historische Aspekte der Bauwerksbegrünung und deren Bedeutung

Die historische Entwicklung der Bauwerksbegrünung lässt sich nur regional und sachgebietsbezogen betrachten. Natürlich gibt es viele historische Beispiele für den Einsatz von Grün an und in Bauwerken aber diese sind i.d.R. nur bedingt mit dem heutigen vergleichbar.

In Europa stellen z.B. skandinavische Grasdächer oder überwachsene Weinkeller in Österreich und Ungarn bekannte Beispiele für historische Dachbegrünungen dar. Die Entwicklung aktueller Gründachsysteme fußt teilweise auf Erfahrungen, die ab etwa 1975 mit daran angelehnten, sogenannten "Grasdächern" erworben wurden. Grasdächer gelten jedoch in der Praxis inzwischen als überholt.

Fassadenbegrünung dürfte, da sie häufiger auch ohne menschliches Zutun zustande kommt, eine sehr lange Tradition haben - bevorzugt, wenn sie eine Schutzwirkung oder einen anderen offensichtlichen Nutzen entwickelte. (Z.B. Efeu als Wetterschutz, vielleicht sogar schon als Schutz und Tarnung von Höhleneingängen, später z.B. Reben als Nutzpflanze.)
Allerdings war die Verwendung von Kletterpflanzen auch immer ein Aspekt der Gartenkunst und so werden wohl in Europa Rosen, Geißblatt und Clematis auch an Bauwerken kultiviert worden sein, seit hier Gärten nicht ausschließlich zur Nahrungsmittelerzeugung angelegt wurden.
In Afrika und Asien finden sich Hinweise auf Kultivierung von Kletterpflanzen seit weit mehr als 1000 Jahren, z.B. in Ägypten Weinreben (ca. 3500 Jahre), in China Schisandra und Actinidia (um 2000 Jahre) sowie in Japan Wisteria floribunda (mindestens 1500 Jahre).
In Mitteleuropa gab es seit dem Mittelalter diverse Entwicklungen, die Fassadenbegrünung (zeitweise) populärer machten - u.a. das wachsende Angebot attraktiver Kletterpflanzen durch Einfuhren aus anderen Kontinenten, Geistesströmungen (z.B. Romantik) mit Wirkung auf die Gartenkunst (Landschaftsarchitektur) und Architektur (z.B. Gartenstadtbewegung}, aber auch Autarkiebestrebungen in Krisenzeiten.

Für beachtenswerte Innenraumbegrünungen (mehr als übliche "Blumentöpfe") können die Ausgestaltung von Orangeriebauwerken, "Palmenhäuser" und anderer Präsentationsbauten für Pflanzen als Vorläufer angeführt werden.

Der umfassende Begriff "Bauwerksbegrünung" und entsprechende aktuelle Verfahren entwickelten sich in Deutschland jedoch erst im letzten Viertel des vergangenen Jahrhunderts. Heute sind Bauwerksbegrünungen ein anerkanntes Mittel zur Aufwertung sowohl einzelner Gebäude als auch von Baugebieten und eingebunden in das Ökologische Bauen. Seit etwa 1975 werden gezielt Techniken und Verfahren entwickelt, die steigenden Anforderungen hinsichtlich Funktionen und Qualitäten der Bauwerksbegrünung (Hausbegrünung/Gebäudebegrünung) gerecht werden.
Vorschriften, bzw. Vorgaben zur äußeren Bauwerksbegrünung mittels Dach- und Fassadenbegrünung sind inzwischen Bestandteil zahlreicher fortschrittlicher Bebauungspläne, u.a. für innerstädtische Sanierungsgebiete oder neue Gewerbegebiete und Gewerbeparks. Vielerorts gibt es kommunale Förderprogramme für die Gebäudebegrünung von außen, die teils im ganzen Stadgebiet, teils nur für beschränkte Bereiche gelten. Innenraumbegrünung fällt dagegen weder in die Zuständigkeit irgendeiner Planungsbehörde, noch können dafür allgemeine (öffentliche) Förderprogramme geschaffen werden.

Zum Nutzen der Bauwerksbegrünung

Bauwerksbegrünung ist ein unverzichtbarer und sehr ausbaufähiger Aspekt des urbanen Grüns, der weder an Platzmangel noch an Folgekosten scheitern muss. Die Begrünung von Bauwerken kann deren Funktion verbessern, den ästhetischen Wert (sowohl bei Solitären, als auch als Ensembles) steigern und umweltschädliche Wirkungen des Bauens (u.a. Versiegelung) mindern. Durch Begrünung erfahren Bauwerke sowohl eine kalkulierbare Wertsteigerung als auch höhere Wertschätzung. Von letzterer profitieren vor allem die Nutzer (ggf. Mieter) eines Gebäudes durch Imagegewinn.
Außenseitige Begrünungen entsprechen nicht nur einem menschlichen Bedürfnis nach Grün im Umfeld, sondern wirken lokal positiv auf das Mikroklima (vor allem Temperatur, Luftfeuchte) und können - einen gewissen Begrünungsgrad vorausgesetzt - sogar Stadtklimate messbar verbessern.
Begrünung, innerstädtisches Grün und Stadtklima
Beitrag von Bauwerksbegrünung und öffentlichem Grün zur Verbesserung von Stadtklima und Luftqualität
Außen begrünte Bauwerke profitieren von bauphysikalischen Vorteilen, die sich - auch unter Berücksichtigung der Grünpflege - wegen Verlängerung von Renovierungsintervallen durch Schutzwirkungen kostensenkend darstellen können.
Ein spezieller und wesentlicher Vorteil der Dachbegrünung resultiert aus dem Regenwasserrückhaltevermögen der Gründachsysteme. Da reduzierte Abflussmengen sich mindernd auf die kommunalen Entwässerungskosten auswirken, werden vielerort entsprechende Abgaben für die Besitzer von Gründächern deutlich reduziert.
Innenraumbegrünung wird insbesondere in großen (teil)öffentlichen Räumen zur Gliederung genutzt, z.B. raumteilend oder wegführend. Sie dient auch zur Dämpfung von Geräuschen (Raumakustik). Der Innenraum wird durch erhöhte Luftfeuchtigkeit aufgrund natürlicher Verdunstung wohltuender empfunden.

Jede Bauwerksbegrünung (außen und innen) mindert den Schadstoffgehalt der Luft. Dieser lufthygienische Aspekt verdient auch speziell hinsichtlich Feinstäuben Beachtung.

Literaturempfehlungen zum Thema Bauwerksbegrünung

  • Walter Kolb, Tassilo Schwarz: "Dachbegrünung - intensiv und extensiv";
    Eugen Ulmer, Stuttgart 1999, ISBN 3-8001-5075-1
  • Manfred Köhler, Georg Barth, Thorwald Brandwein: "Fassaden- und Dachbegrünung";
    Eugen Ulmer, Stuttgart 1993, ISBN 3-8001-5064-6
  • Bernd W. Krupka: "Dachbegrünung. Pflanzen- und Vegetationsanwendung an Bauwerken"
    (Handbuch des Landschaftsbaus); Eugen Ulmer, Stuttgart 1992, ISBN 3-8001-5051-4
  • "Dach + Grün" Fachmagazin für Bauwerksbegrünung. Dach, Fassade,
    Innenraum. 4 Ausgaben im Jahr, erscheint seit 1992. Verlag Dieter A. Kuberski, Stuttgart, ISSN 0943-5271
    FLL-Schriften und Richtlinien
  • "Hinweise zur Pflege und Wartung von begrünten Dächern", Bonn 2002 Bezug
  • "Richtlinie für die Planung, Ausführung und Pflege von Dachbegrünungen",
      Bonn 2002 Bezug
  • "Richtlinie zur Planung, Ausführung und Pflege von Fassadenbegrünungen
      mit Kletterpflanzen"; Bonn, 2000 Bezug
  • "Richtlinie für die Planung, Ausführung und Pflege von Innenraumbegrünungen";
      Bonn 2002 Bezug